Ein Garten- & Geschichtenblog

„Wo soll ich nur anfangen?“ Einen Garten neu anlegen

Einen Garten neu anlegen, das stellt den Anfänger vor ungeahnte Herausforderungen. Zumindest wenn er völlig unwissend ins Metier einsteigt. Bis ich wir uns Haus gekauft haben, hatte ich mit dem Gärtnern rein gar nichts am Hut. Ich hatte bis dato höchstens ein paar Geranien in meinen Balkonkästen. Die blühten quasi von selbst. Und nun ein 1000 qm großes Grundstück bewirtschaften? –Wo sollte ich da bloß anfangen? Ich war ratlos, aber immerhin motiviert. So wie das Grundstück war, konnte es schließlich nicht bleiben.

Mittlerweile vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht irgendetwas im Garten mache oder wenigstens über dessen Gestaltung nachdenke. Ein Areal nach meinen Wünschen zu formen, übt einen ungemeinen Reiz auf mich aus. Hoffentlich wird’s auch so, wie ich es mir vorstelle…

Die Ausgangssituation

Wo ist der Garten – und in welchem Zustand befindet er sich?

  • Ehemaliger Wald in Brandenburg, begrünt v.a. mit Kiefern und Robinien
  • Ausläufer der Robinien überwuchern fast das gesamte Grundstück
  • Saurer, durchlässiger Boden (unter der Humusschicht gibt’s Unmengen an Sand)
  • Durch die verbliebenen Kiefern und die Begrünung der Nachbargrundstücke eher halbschattiges Terrain, auf der Terrasse jedoch vollsonnig

Was ist eigentlich saurer Boden? -Dieser Boden ist sehr humusreich (Dauerhumus) und enthält wenig Kalk. Chemisch betrachtet, liegt der ph-Wert des Bodens unter 6,5.

Garten neu anlegen: Die allerersten Schritte

Jeder Gartenratgeber empfiehlt dem potentiellen Gärtner erst einmal, sich Wünsche an den zukünftigen Garten zu notieren und einen Plan zu zeichnen. Dieser bildet die Richtschnur, an der sich der Gärtner bei der Umsetzung seiner Vision orientiert: Wo soll der Schuppen hin? Welche Wege führen wohin? Aus welchem Material soll die Terrasse sein und wie groß soll diese überhaupt werden? Welche Pflanzen sollen wohin? Etc.

1. Das Unkraut muss weg

garten neu anlegenDoch so, wie wir unser Grundstück beim Einzug in unser Haus vorfanden, hätten wir es nie auf irgendeine Art und Weise bewirtschaften können. Die Robinienausläufer waren einfach überall – und sehr, sehr dornig. Außerdem: Was nützen mir meine Wünsche, wenn die Pflanzen, die ich verwenden will, hier gar nicht wachsen?

Glücklicherweise bot unser Nachbar an, sich mit einem Bagger durchs gesamte Gelände zu wühlen und alle Robinien rauszureißen sowie den Boden umzugraben.

Zwischenbilanz: Der Bagger war nötig, denn anders hätte man die extrem dornigen Robinienausläufer nicht aus dem Boden herausbekommen. Selbst mit Gartenhandschuhen kann man die Zweige nicht anfassen. Nun steht uns jedoch viel zusätzliche (schwere körperliche) Arbeit bevor.

Dadurch wurde die eigentliche Gartenarbeit zwar verzögert, aber wir hatten genug Zeit, um unser Areal kennenzulernen: Wann steht die Sonne wo und wie hoch? An welchen Stellen ist es eher schattig, wo sonnig? Dadurch habe ich u.a. erkannt, dass ich mir neben der Terrasse vorm Haus noch eine Sitzecke weiter hinten im Garten errichten möchte.

Tipp: Unbedingt Gartengeräte anschaffen

Wir benötigen dringend eine Schubkarre, eine Hacke, eine Harke, eine Gießkanne/Gartenschlauch, Gartenhandschuhe, ein Beil fürs Holz, ein Blechfass zum Verbrennen von Holz. Ich weiß, Letzteres sieht echt grenzwertig aus im Garten. Erinnert an so manchen Ghetto-Film. Doch wer schon einmal Holz in einem solchen Fass verbrannt hat, weiß dessen Vorzüge zu schätzen.

2. Auf Zeigerpflanzen achten

Zwischen Ästen und Unkraut wächst ein kleiner Ahorn.

Erst einmal die Natur beobachten!

Interessant ist, dass die natürlich vorhandenen Pflanzen viel über den Boden und die Standortbedingungen verraten. Ahornbäume und wilde Geranien, auch Storchschnabel genannt, wachsen hier von ganz allein, beide Pflanzen kommen auf nahezu allen Böden zurecht. Vogelmiere und Ehrenpreis finden wir im Schatten, wo die Erde nährstoffreich ist. Auf der Westseite in voller Sonne hingegen wachsen vor allem Gräser, aber auch Natternkopf und Schafgarbe. Dort ist der Boden sehr sandig und nährstoffarm.

Standortansprüche unserer Zeigerpflanzen

Ahorn: anspruchslos, braucht nicht viel Wasser, frosthart

Robinie: anspruchslos, gedeiht auch an nährstoffarmen, trockenen Standorten, verträgt Frost (Allerdings verbreitet sie sich in Windeseile! Wie ihr Robinien bekämpfen könnt, habe ich hier verbloggt>>)

Blutroter Storchschnabel: Mag Sonne, kommt aber auch im Halbschatten zurecht und verträgt trockene Böden

Was bedeutet das?

  • Gartenboden ist überwiegend sauer, sandig und trocken
  • Regen fällt in den heißen Sommermonaten selten bis gar nicht, was den Boden zusätzlich austrocknet.
  • dafür sind Herbst und Winter recht feucht – und werden immer milder.
  • Wir setzen also auf Pflanzen, die im trockenen Schatten oder in voller Sonne auf durchlässigem Boden gedeihen

Diese Pflanzen kommen in meinen Garten:

Ich benötige robuste Pflanzen, die wenig Wasser brauchen. Schließlich will ich keine Unmengen an Trinkwasser verschleudern.

Einen Rasen habe ich fälschlicherweise angelegt, ihn jedoch zur Magerwiese umgewandelt, weil er auf sandigem Boden sofort vertrocknet, wenn er nicht zusätzlich gewässert wird.

Sträucher

  • Sanddorn
  • Pfaffenhütchen
  • Perlmuttstrauch > ein wahrer Meister der Genügsamkeit: kein anderer hat im Märkischen Sand dermaßen an Größe zugelegt!
  • Zwergspieren/Spiersträucher
  • Hagebutten & Strauchrosen
  • Mandelbaum
  • Bambus (vor allem Fargesia)
  • Heidelbeere
  • Weißdorn & Rotdorn
  • Rhododendron/Garten-Azaleec (brauchen zu viel Wasser & Pflege)
  • Korkenzieherhasel (ist eingegangen)

Kletterpflanzen

  • Blauregen (in voller Sonne hielt er es nicht aus – ich musste ihn in den Halbschatten umpflanzen, nun gedeiht er hervorragend)

Pioniere im Garten: meine Bodendecker

Bodendecker und Stauden

sind in unserem Garten das A & O, denn sie begrünen den Boden, unterdrücken Unkraut und sehen besser aus als Rasen. Pflegeleicht sind diese hier obendrein:

  • Aster
  • Thymian
  • Salbei
  • Schleifenblume
  • Erdbeere
  • Lavendel
  • Ziergras, v.a. Federgras & Rutenhirse

Bäume würde ich natürlich auch gern pflanzen. Wie eingangs erwähnt, stehen auf unserem Grundstück schon ein paar ausgewachsene Kiefern. Ahornbäume gibt es auch, allerdings sind sie nicht höher als einen halben Meter. Meine ersten Recherchen zum Thema „Bäume, die saure Böden vertragen“ ergab keine nennenswerten Treffer, außer:

  • Ginkgo (sieht zumindest interessant aus, soll aber in jungen Jahren kaum Frost vertragen)
  • Rosskastanie (sieht toll aus, wird aber sehr hoch: Ob das den Nachbarn gefällt?)
  • zwei Walnussbäume: sie lieben eigentlich kalkhaltige Böden, stehen aber seit einem Jahr in meinem Garten und sehen immer noch sehr gut aus
  • Kiefern (mehrere unterschiedliche Sorten von zwergenhaft bis riesengroß): gedeihen gut, obwohl sie von mir kaum Zuwendung bekommen
  • Japanischer Zwergahorn: macht sich super hier, wenn man ihn hin und wieder gießt
  • Apfelbäume (haben sich auch sehr gut entwickelt)

Obstbäume kommen eigentlich nicht in Frage, da sie tiefgründige Böden benötigen und ziemlich empfindlich gegenüber Spätfrösten sind. Trotzdem habe ich zwei kleine Apfelbäume gepflanzt und bin gespannt, wie sie sich entwickeln. Beide wachsen sehr schnell und tragen unheimlich viele Blüten!

Immergrünes

Spätestens im Winter merkst du, wenn du die immergrünen Gewächse in deiner Gartenplanung vergessen hast. Was, du magst keine Tannen? -Und woran hängst du dann deine Lichterkette im Advent auf…?

Immergrünes gehört dazu, ob in Form von Hecken (z.B. Liguster oder Kirschlorbeer, selbst Bambus!), Bodendeckern (das Laub der Heidenelke bleibt lange grün) oder eben Nadelbäumen. Letztere sind besonders frosthart, robust und langlebig. Deshalb liebe ich meine vielen kleinen Kiefern so, meine Zuckerhutfichte ebenfalls und – ja, selbst die etwas magere Tanne vorm Haus.

3. Schlussendlich den Garten neu anlegen!

Wohlgemerkt: Das sind meine ersten Vorüberlegungen. Ich kaufe natürlich nicht gleich all die genannten Pflanzen!!! Das wäre mir nicht nur zu teuer. Ich hätte auch nicht genug Zeit, um sie alle einzupflanzen und zu pflegen. Außerdem weiß ich ja noch gar nicht, wo ich sie alle hinpflanzen soll. Es wird Zeit, mich mit der tatsächlichen Gestaltung des Gartens auseinanderzusetzen.

Woher ich meine Pflanzen nehme:

  • Bislang habe ich die meisten Pflanzen in Baumschulen gekauft, wobei die lokalen Händler günstiger waren als die Online-Shops. Schade, denn ich bestelle äußerst gern, da ich ja kein Auto habe
  • Einige Planzen (Tomaten, Hartriegel, Flieder sowie mir unbekannte Blumen) wurden mir von meinen Nachbarn geschenkt
  • Einjährige Sommerblumen und einige Gemüsesorten (Bohnen, Möhren, Gurken) habe ich ausgesät > die Bohnen wurden von Maden u.Ä. gefressen, Gurken sind nie gekommen und die Möhren sind so klein geblieben, dass wir sie an unsere Meerschweinchen verfüttert haben!

LG
eure Miss Minze

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7 Kommentare

  1. Thomas

    Schöner, liebvoll gestalteter Blogartikel! War interessant zu lesen, wie du mit du das Grundstück erstmal soweit flott gekriegt hast, dass man damit überhaupt was anfangen kann. Ich habe zu dem Thema auch vor kurzem diesen Artikel auf kemmler.de (https://www.kemmler.de/themen/ratgeber#c:35753+guide/1181 ) gelesen, wo es auch nochmal detaillierter um den Zustand des Bodens ging. Da wurde dann auch beschrieben, welche Faktoren wichtig für einen fruchtbaren Boden sind und was man machen kann um die Qualität des Bodens verbessern zu können. Ich bin gerade auch in der Planungsphase für unser neues Grundstück und die Planung ist wirklich eine Mammut-Projekt. Daher bin ich gerade über jeden Input dankbar.

    • Miss Minze

      Besten Dank für den Hinweis auf den Artikel zur Bodenverbesserung, lieber Thomas!
      Vieles davon habe ich schon durch meine Nachbarn erfahren, die schon länger hier wohnen und deshalb gute Tipps hatten, wie ich den sandigen Boden hier mit Nährstoffen anreichern kann. Die meisten nutzen dafür ihren Misthaufen (Kompost). Bei meinem habe ich allerdings den Fehler gemacht, all mein Unkraut drauf zu werfen. Daher muss ich die Komposterde nun teuer kaufen… 🙁
      LG

      • Thomas

        Hi Miss Minze, freut mich dass ich weiterhelfen kann. Das ist schade, wenn durch so einen kleinen Fehler der Kompost dann nicht zu gebrauchen ist. Hätte ich aber vermutlich auch gemacht :/

  2. Sophie Gerber

    Diese Frage finde ich auch am schwierigsten! Aber wenn man denn die ersten Ideen bekommen hat, läuft es dann (meistens) immer ganz gut weiter. Ich will nächsten Sommer unseren Garten komplett neu anlegen, nun ist meine Aufgabe im Winter alle Ideen zu sammeln. Dabei dient dein Blog als große Quelle für Inspiration!
    Danke und liebe Grüße, Sophie

  3. Leah

    Ich stand letzten Sommer vor dem gleichen Problem wie du. Ich kann nur sagen durchhalten lohnt sich. Wir genießen den Sommer in unserem schönen neuen Garten bestimmt zweimal so viel wie davor 🙂

    • Miss Minze

      Ja, obwohl unser Garten noch weit davon entfernt ist, „fertig“ zu sein, genießen wir auch schon die Zeit darin (allein schon das Grillen, hihi)!
      Gärtnern und Spielen machen die meiste Gartenzeit aus. Zum Sitzen und Entspannen sind wir bislang nur ganz selten gekommen. Aber ich denke, auch das stellt sich noch ein!
      LG Miss Minze

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