Nicht nur durch die Aussaat von Samen kann man neue Pflanzen ziehen, sondern auch indem man Stecklinge nimmt. Bei dieser Art der Vermehrung handelt es sich um Klonen, denn das Erbgut bleibt gleich. Somit erhält man ausschließlich die Eigenschaften der Mutterpflanze.

Die am häufigsten verwendeten Stecklinge sind Triebe, die mehrere Blätter besitzen. Das können die Triebspitzen einer Pflanze sein (Kopfstecklinge) oder die darunter liegenden Triebteile. Bestenfalls schneidet man sie direkt unter einem Blatt(-paar) ab, denn an dieser Stelle bilden sich am besten neue Wurzeln.

Auch aus den Wurzeln oder Zwiebeln einer Pflanze kann man Stecklinge gewinnen, ja sogar aus den Blättern einiger Pflanzen wie z.B. der Aloe Vera.

Um meine Rosen zu vermehren, habe ich mich für Stecklinge aus dem Spross entschieden. Von jeder Rose in meinem Garten habe ich einen Steckling abgeschnitten. Rosen sind jedoch nicht die einzigen Pflanzen, die man durch Stecklinge vermehren kann:

Pflanzen, aus denen man Stecklinge gewinnen kann

(Diese Liste ist natürlich unvollständig.)

In einigen Ratgebern heißt es, dass die Vermehrung durch Stecklinge die einfachste Art sei, in kürzester Zeit viele neue Jungpflanzen zu bekommen. Auf ein paar Pflanzen mag das zutreffen. Ein Strauß Sedum (Fetthenne) bildet schon innerhalb weniger Tage in einer Blumenvase Wurzeln. Andere Stecklinge – bspw. vom Buchsbaum – brauchen dafür fast ein Jahr!

Welche Bedingungen müssen erfüllt sein?

Schwierig dürfte es auch sein, für die richtigen Bedingungen zu sorgen:

  • Der Trieb muss stark genug sein, die Pflanze also in vollem Saft stehen.
  • Nachdem man ihn abgeschnitten hat, muss er sofort in die Erde bzw. ins Wasserglas.
  • Zudem sollte es draußen bereits warm sein und feucht! Die Erde, in welcher sich der Steckling befindet, darf keinesfalls austrocknen.
  • Die Stecklinge sollten deshalb bei Bedarf in ein Gewächshaus gestellt oder mit Folie abgedeckt werden.

Was die Beschaffenheit der Erde anbelangt, so gehen die Meinungen auseinander: Die einen empfehlen Aussaaterde, andere meinen, es sei völlig egal, welche Erde man verwendet. (Für mein Stecklingsexperiment habe ich ganz normale Blumenerde genommen.)

Zu guter Letzt muss auch noch der richtige Zeitpunkt abgepasst werden: Die Stecklingsvermehrung klappt in Mai und Juni besonders gut. Je weiter das Jahr voranschreitet, desto niedriger sind die Erfolgschancen.

Wie funktioniert’s genau bei Rosen?

Insofern bin ich schon recht spät dran, denn die Triebe meiner Rosen habe ich erst letzte Woche (Anfang September) abgeschnitten. Weil es nachts schon recht kühl ist, steht der Topf nun im Haus.

Kein Muss: Wurzelhormone

Die im Fachhandel erhältlichen Bewurzelungshormone sollen es der Pflanze erleichtern, Wurzeln zu bilden. Ich habe mich erst einmal nur für einen „Wurzelaktivator“ entschieden, der die Erde mit bestimmten Nährstoffen anreichert. Auch die sollen für ein ausgeprägtes Wurzelwachstum sorgen. Ob es etwas bringt, bleibt abzuwarten.

Bei Rosen ist zu beachten, dass der abgeschnittene Trieb mindesten 4 Augen aufweist, das sind kleine „Knubbel“, aus denen später Triebe hervorgehen. Meine Rosen hatten überhaupt keine Augen mehr, denn dort haben sich bereits Blätter gebildet. Wenn mein „Stecklingsexperiment“ scheitert, könnte es also daran liegen…

Zugegeben, auch hier musste ich Kompromisse machen: Mein Pflanzgefäß ist nämlich nicht tief genug.

Nun werden die Blätter entfernt, und zwar durch Abziehen (nicht Abschneiden!). Nur das oberste Blatt bzw. Blattpaar bleibt stehen, damit der Steckling kaum noch Wasser über die Blätter verdunsten kann. Selbst die Dornen soll man händisch entfernen, denn sie sind wohl anfällig für Schimmel u.a. Pilzkrankheiten. Zuletzt steckt man die Rosentriebe so tief in die Erde, dass nur noch das oberste Auge mitsamt dem reduzierten Blatt herausschaut.

Nun heißt es abwarten. Wenn die Bewurzelung erfolgreich ist, werden sich aus den in der Erde gelegenen Augen Wurzeln bilden. Aus dem obersten Auge hingegen wird ein neuer Trieb wachsen. Dieser zeigt sich nach 8-10 Wochen. Es kann jedoch auch passieren, dass dieses Procedere noch länger dauert. Wichtig ist, dass das Substrat regelmäßig angefeuchtet wird.

Lubera

Das Ergebnis der Stecklingsvermehrung

Für mich grenzt es an ein Wunder, dass Pflanzen die Fähigkeit besitzen, sich über Stecklinge zu vermehren. Man stelle sich vor, ein Mensch würde sein Bein abtrennen und nach ein paar Monaten entstünde daraus noch einmal derselbe Mensch!

So recht mag ich also (noch) nicht daran glauben, dass aus meinen Rosenstecklingen wirklich neue Rosen werden. Doch ausprobieren wollte ich es schon immer mal – und es macht ja nicht viel Mühe. Sollte es tatsächlich funktionieren, könnte ich im Frühjahr gleich ein paar neue Rosen pflanzen – und damit hätte ich viel Geld gespart. Übrigens gehören Rosen zu den sehr trockenheitstoleranten Pflanzen, denen auch Hitze kaum etwas anhaben kann. Insofern möchte ich in meinem pflegeleichten Garten unbedingt mehr davon!

Über das Ergebnis der Stecklingsvermehrung halte ich euch auf dem Laufenden!

MM