Eine Einführung

Man kann von den Datenkraken Google und Amazon halten, was man will, mir jedenfalls haben sie unverhofft das Leben erleichtert.

Man stelle sich vor, es gäbe das Internet nicht!: Dann schriebe sich nur für die Schublade. So aber kann ich meine Ergüsse online veröffentlichen – auf einem Blog wie diesem zum Beispiel.

Ebenso traumhaft: Selbst ein Buch zu veröffentlichen, ist kein Privileg der Verlage mehr. Zudem kostet es nichts. Lediglich Zeit und Verstand müssen investiert werden, um das eigene Werk in gedruckter oder digitaler Form verkaufen (oder verschenken) zu können.

Was kostet die Veröffentlichung eines eBooks bzw. Taschenbuchs?

Wer sich für Amazon als Distributionskanal entscheidet, muss dafür nicht einen müden Cent investieren. Der Online-Riese bietet diesen Service tatsächlich kostenlos an. Schließlich will der Konzern immer weiter wachsen und giert deshalb nach immer neuen Produkten – oder in diesem Sinne: Content. Nichts anderes ist das eBook, das du für den Amazon Kindle zur Verfügung stellst. Aus diesem Grunde heißt das Verlagsprogramm auch kindle direct publishing (kurz: KDP).

amazon kdp
Die Druckkosten meines Buchs

eBooks liest eh keine Sau? -Na dann, veröffentliche doch gleich ein „richtiges“ Buch! Ebenfalls mit Amazon und wieder einmal kostenlos. Wie das möglich ist? -Man nennt den Service Print on Demand, was Folgendes bedeutet: Das Buch wird erst gedruckt, wenn es von einem Kunden bestellt worden ist. Selbstverständlich werden die Druckkosten von deiner Gewinnmarge abgezogen.

Um mit deinem Buch Geld zu verdienen (falls dies überhaupt dein Ziel ist), musst du demnach sehr viele Exemplare verkaufen.

Wie funktioniert das? Und welche Nachteile gibt es?

Also dann, Manuskript bei Amazon KDP hochladen, ein Cover entwerfen (mit dem ebenfalls bei KDP erhältlichen Amazon Cover Creator) und los geht’s!

Ja, es ist wirklich so einfach. Ich habe es gerade ausprobiert und werde es im nächsten Beitrag Schritt für Schritt erklären.

Allerdings liegt hier auch die Gefahr verborgen, schludrig zu arbeiten. Alles geht so schnell über die Bühne, dass man verleitet ist, den ein oder anderen Arbeitsschritt zu überspringen, das Lektorat zum Beispiel.

Amazon KDP
Nachdem ich das Manuskript hochgeladen habe, wird es von Amazon KDP überprüft

Schließlich bewertet Amazon weder den Inhalt noch das Aussehen deines Buchs. Du kannst dir die Freiheit herausnehmen, den allerschlimmsten Schund zu veröffentlichen, so lange du dich an die Amazon-Guidelines hälts. Wenn das nicht demokratisch ist.

Ich bin jedenfalls begeistert – und ein wenig schadenfroh bin ich auch, das muss ich zugeben. Die Entscheidungshoheit der Verlage, literarische Werke zu veröffentlichen oder eben abzulehnen, schwindet mehr und mehr. Und wie sie ihr Schicksal bejammern und den Kunden beknien, Amazon zu boykottieren – zum Wohle des Schriftstellers, der Kultur und des Buchhandels, blablabla. Herzzerreißend, nicht wahr?

Jetzt im Ernst, es ist doch unglaublich genial, dass der Schriftsteller sein Glück selbst versuchen kann – und sein eigens publiziertes Werk auf Amazon gleichberechtigt neben den Büchern der etablierten Verlage angezeigt wird. Entscheidend ist lediglich der Suchalgorithmus, nicht der gute Ruf.

Ein Hoch auf das digitale Zeitalter!


fatnakeddaddy
Mein erstes Buch

FATNA_NAKED_DADDY inkl. Leseproben findet ihr auf Amazon*.

Mit dem Kauf des eBooks oder Taschenbuchs unterstützt du mich dabei, den Blog Miss Minze auch weiterhin frei von Bannerwerbung und Werbeanzeigen zu halten. Vielen lieben Dank!!!


Muss es denn unbedingt Amazon sein?

Nein, es gibt Unternehmen, die schon lange vor Amazon den Service „Print on Demand“ erfunden und etabliert haben, zum Beispiel BOD. Im Grunde dürften deren Dienstleistungen sogar noch kundenfreundlicher sein. Immerhin bindet man sich nicht ausschließlich an Amazon als Vertriebskanal! Insofern lohnt eine Marktrecherche durchaus, bevor man sich als Selfpublisher an einen Anbieter bindet.

Mein Interesse gilt jedoch Amazon, weil es das Unternehmen mit der größten Reichweite ist. Dabei ist mir die Kritik an Amazon bekannt. Mit den nicht immer ganz sauberen Geschäftspraktiken des Online-Händlers beschäftigen sich schließlich zahlreiche Dokumentarfilme, Reportagen und Zeitungsartikel. Und zugegeben, auch ich traue dem Konzern nicht so recht über den Weg, denn Amazon spielt seine Marktmacht gerne mal auf unfaire Art und Weise aus.

Doch Amazon dafür zu verurteilen, halte ich für scheinheilig, denn ein Konzern kennt per se keine soziale Verantwortung und kann deshalb auch nicht von sich aus ethisch korrekt handeln. Er kennt zudem keine Moral, sondern nur die Profitmaximierung. Ausschließlich letztere treibt Amazon (und alle anderen Unternehmen, auch wenn sie noch so klein sind) an und ausschließlich diesem Ziel fühlt es sich verpflichtet.

Schritt für Schritt zum eigenen eBook
Schritt für Schritt zum eigenen eBook – mit Amazon KDP – Anleitung

Wie genau Konzerne funktionieren, beschreibt der Dokumentarfilm „The Corporation“ übrigens sehr gut (insbesondere das letzte Fünftel des Films). Kann man sich kostenlos auf YouTube anschauen!

Daher bringt es nichts, Amazon den Rücken zu kehren. Das Unternehmen stärker zu reglementieren, damit es aus rechtlicher Sicht verpflichtet ist, ethisch verantwortungsvoll zu handeln, dürfte zweckdienlicher sein.

MM

*Werbung in eigener Sache