Miss Minze

Ein Garten- & Geschichtenblog

Bambus als Sichtschutz: ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang

Wie bin ich nur auf Bambus gekommen? -Ich weiß es nicht mehr. Vielleicht, weil ich alles mag, was üppig wächst? Anfangs wollte ich jedenfalls gar keinen Bambus pflanzen. Es hieß, er brauche wahnsinnig viel Wasser und bestenfalls nährstoffreiche Erde. Beides ist in meinem Garten Mangelware. Der Boden hier könnte kaum sandiger sein. Folglich trocknet er schnell aus. Deshalb habe ich mich zunächst um trockenheitsresistente Pflanzen bemüht und bin bei Gräsern (siehe Gräsergarten anlegen) gelandet.

Besser Gräser oder Bambus pflanzen?

Gräser und Bambus haben schon deshalb viel gemeinsam, weil sie derselben Familie entstammen (Bambus gehört – wie zum Beispiel auch Weizen, Mais und Zuckerrohr – zu den Süßgräsern). Meine gepflanzten Gräser (u.a. Blaustrahlhafer und Rutenhirse) haben allerdings einen entscheidenden Nachteil: Das gesamte Frühjahr über sind sie kaum zu sehen, weil sie jedes Jahr aufs Neue wachsen müssen.

Ich möchte jedoch nicht über Monate hinweg auf wichtige Elemente in meinem Garten verzichten. Insofern habe ich mich in diesem Jahr doch noch überwunden, Bambus zu pflanzen.

Vorteile von Bambus:

  • Immergrün
  • Schnelles Wachstum
  • Ideal als Sichtschutz, da dicht wachsende Halme
  • Viele robuste Sorten (sowohl frosthart als auch hitzeverträglich)
  • Verträgt Schatten und volle Sonne (je nach Sorte)
  • Strahlt Ruhe aus und verleiht dem Garten Struktur
  • Pflanzung als Hecke und Solitär möglich

Bambus Pflege: Wasser & Dünger

Tatsächlich benötigt Bambus viel Wasser. Er sollte möglichst nie austrocknen. Andererseits mag die Pflanze es nicht, wenn sie im Wasser steht, es sollte also gut abfließen können. Insofern ist der hiesige Sandboden gar nicht soooo schlecht. Ich habe ihn allerdings mit Komposterde vermischt, da Bambus wie oben erwähnt, viele Nährstoffe braucht.

Deshalb sollte Bambus möglichst zweimal im Jahr mit organisch-mineralischem Dünger gedüngt werden, und zwar in März/April sowie in Juni/Juli. Danach sollte nicht mehr gedüngt werden, damit die Triebe vor dem Winter ausreifen können.

Bambus: Wann pflanzen?

Praktisch am Bambus ist, dass er auch im Sommer gepflanzt werden kann. Grundsätzlich sollte die Pflanzung zwischen März und September stattfinden, damit die Pflanze bis zum Winterbeginn genug Zeit zum Einwurzeln hat.

Bambus: Wo pflanzen?

Obwohl es viele frostharte Bambussorten gibt, sollte die Pflanze windgeschützt stehen (vor allem Ostwinde mag sie nicht). Meine drei größten Pflanzen stehen jedoch an recht exponierter Stelle, da ich sie als Sichtschutz verwende. Mal sehen, ob sie den Winter überstehen…

Ansonsten kann man Bambus – je nach Sorte – überall anpflanzen. Er fühlt sich sowohl in der Sonne als auch im (Halb-)Schatten wohl.

Mein Phyllostachys ist an dieser Stelle des Gartens leider dem stetigen Wind ausgesetzt.

Bambus: Welche Sorten pflanzen?

Mein Bambus hat eine klare Aufgabe: Er soll als Sichtschutz dienen. Aus diesem Grund habe ich mich für hochwachsende Sorten entschieden. Von Fargesia rufa habe ich gleich mehrere Pflanzen gekauft. Er hat den Ruf, dichte Horste zu bilden und schnell zu wachsen. Dieser Bambus kann bis zu drei Meter hoch werden.

Drei Meter sind gut, acht noch viel besser, dachte ich mir – und pflanzte außerdem einen Phyllostachys aureosulcata „Aureocaulis“ daneben. Der wird (bei guten Bedingungen) wirklich riesig, bildet allerdings im Gegensatz zu Fargesia rufa Ausläufer (Rhizome). Die unterschiedlichen Wurzeln von Fargesia und Phyllostachys werden auf der folgenden Grafik anschaulich dargestellt.

Gegen die hilft wohl nur eine Rhizomsperre (eine Art Plastikwand, die bei der Pflanzung um den Wurzelballen gelegt wird), auf die ich jedoch verzichtet habe. Einerseits war ich zu faul, zum anderen will ich ja, dass sich der Bambus ausbreitet. Ein Dschungel, in dem die Kinder Verstecken spielen können, ist mir gerade recht 😉

Außerdem kann man die Wurzelausläufer/Ableger im zeitigen Frühjahr abschneiden, eintopfen und somit den Bambus vermehren. Wer weiß, vielleicht habe ich bald viele Kübel voll Phyllostachys? Schön wär’s!

 

bambus pflanzen pflegen

Noch ist er schmal und unscheinbar: mein Fargesia denudata

Zu guter Letzt habe ich für den schattigen Bereich vor meinem Sichtschutzzaun noch auf einen Fargesia denudata zurückgegriffen. Diese Sorte wird gern von Pandas gefressen – nur so nebenbei erwähnt…

Er kann bis zu vier Meter hoch und sehr üppig werden, braucht dafür allerdings 8-10 Jahre. Meiner wirkt hingegen noch sehr grazil, um nicht zu sagen unscheinbar. Aber ich habe ihn ja auch gerade erst gepflanzt. Insofern bin ich wirklich gespannt, was daraus wird. Frosthart ist er jedenfalls – und wie alle hiesigen Bambusarten nicht sonderlich anspruchsvoll.

Liebe Grüße

MM

2 Kommentare

  1. Liebe Miss Minze,
    zufällig bin ich auf deinen Blog und den Bambus-Beitrag gestoßen. Ich habe in den letzten 15 Jahren einige Erfahrungen mit Bambus in unserem Garten machen können und erkannte mich in deinem Bericht wieder. Auch ich brauchte einen schnellen und üppigen Sichtschutz zu den Nachbarn. Ein Phyllostachus kam mir da gerade recht. In den ersten Jahren habe ich ihn im Winter eingepackt und liebevoll gehegt und gepflegt … bis er mir buchstäblich über den Kopf wuchs. Eine Rhizomsperre wurde schon nach 2 Jahren nötig, der Bambus breitete sich rasant aus. Leider mussten wir zwei Öffnungen in der Sperre lassen, da unsere Stromleitung durch die Bepflanzung führte. Genau diese beiden Stellen wurden in den Folgejahren zum Problem. Der Bambus schoss fast 6 Meter in die Höhe, unser kleiner Bambushain sah wirklich grandios aus, wurde von allen bewundert und erfüllte seinen Zweck hervorragend. Nur war der Platz irgendwann nicht mehr ausreichend, die Nährstoffe erschöpft und der Bambus brach unkontrolliert an den beiden offenen Stellen aus und wucherte derart, dass 4 m von der Mutterpflanze entfernt Ausläufer auftauchten … und das ganz nah zum Nachbarn. Irgendwann wurde uns klar, dass mein heißgeliebter Bambus zur Plage, zum Unkraut wurde. Ich beschäftigte mich schlussendlich damit, wie ich den Bambus wieder loswerden könnte. Überall las ich: gaaanz schwierig. Da einfach ausbaggern aufgrund der großen Fläche nicht in Frage kam, Unkrautvernichter nichts bringt, haben wir uns vor 2 Jahren entschieden, den Bambus bodengleich abzuschneiden, und mit einer dicken Lage Papier sowie Folie abzudecken, um ihn auszuhungern. Das war vor fast 2 Jahren und er lebt immer noch. 🙁
    Ich liebe Bambus heute noch, aber nur noch horstig wachsende Fargesia-Arten. Diese werden zwar nicht so hoch, sind aber ebenso schön, gut beherrschbar und eben nicht ausläufertreibend.
    Viele hatten mich vor dem Phyllostachus gewarnt, aber ich wollte es nicht glauben und musste meine eigenen Erfahrungen machen.
    Liebe Miss Minze, falls du Interesse hast, sende ich dir gern Bilder aus meinem Garten – mit und ohne Bambus … die Fläche ist immer noch abgedeckt und sieht leider wirklich unschön aus. Aber jetzt kann ich wieder gut schlafen und irgendwann können wir sicher neu bepflanzen … mit Fargesia als Sichtschutz.:-)
    Was ich dir raten möchte: installiere schnellstmöglich eine Rhizomsperre, auch wenn es dir momentan sehr aufwändig erscheint. Alles ist weniger Arbeit als den Bambus später langwierig bekämpfen zu müssen.
    LG Antipolis

    • Miss Minze

      14/05/2018 at 10:02 am

      Gaaanz lieben Dank für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht!!! Meine Güte, wie sich der einstige Genuss doch schnell in ein Übel umkehren kann. Ja, das ist mir eine Warnung.
      Ich werde meinen einzigen Phyllostachus gut im Auge behalten. Mein Ziel ist ja ein kurzfristiger Sichtschutz, den er bereits erfüllt. Nach ein bis zwei Jahren werden die Büsche und der Fargesia ringsum dann mit Sicherheit groß genug sein, damit ich auf meinen Phyllostachus verzichten kann. Dann kommt er in einen Kübel!
      Liebe Grüße
      Miss Minze

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