Achtung! Wir haben jetzt einen Pool. Genau so ein kreisrundes, Chlorwasser-gefülltes Ungetüm, das ich mir nie anschaffen mochte, weil ich mir den Garten nicht verschandeln wollte. Seit einer Woche also steht dieses Ding genau vor unserer Terrasse – und bereichert unseren Garten sogar!  Nicht dass unser Plastikbecken sonderlich schön wäre, nein, aber es macht unsere Kinder und deren Freunde unheimlich glücklich. Ja, ich habe sie selten so vergnügt gesehen 🙂

Weshalb überhaupt einen Familiengarten etablieren?

Die Einsicht, dass ein privates Schwimmbecken tatsächlich eine Bereicherung darstellt, musste erst einmal in mir reifen. Ein Jahr lang. Erst dann habe ich grünes Licht für den Kauf gegeben. Auch weil mir klar wurde, dass unser Garten in erster Linie für die Kinder da ist. Die genießen ihn schließlich weitaus öfter als wir Großen, die oftmals viel zu beschäftigt dafür sind.

Ein Garten macht es Kindern einfach, mal eben rauszugehen, ohne ein konkretes Ziel ansteuern oder lange unterwegs sein zu müssen. Für sie ist der Garten weit mehr als eine Ansammlung hübscher Pflanzen. Er ist ein Ausschnitt der großen weiten Welt und der Ausgangspunkt für die unterschiedlichsten Abenteuer.

Wollen Kinder überhaupt einen Garten?

Jedes Kind tickt ein bisschen anders. Wen wundert’s also, dass sie alle unterschiedliche Präferenzen haben? Das eine traut sich nur heraus, wenn die Sonne brennt und ein Aufenthalt im Pool daher unvermeidlich scheint. Das andere sieht man praktisch nie im Haus, weil es der Erforschungen draußen einfach nicht müde wird. Meiner Erfahrung nach interessiert sich aber jedes Kind früher oder später für „seinen“ Garten und stellt seine ganz eigenen Erkundungen an. Wie du den Garten kindgerecht gestaltest, hängt daher ganz wesentlich von deinen Kindern ab.

Hier kommen trotzdem ein paar Vorschläge für den Familiengarten/Spielgarten meinerseits 😉

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Was Kinder am Familiengarten besonders reizt

1 – Dschungel
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Bambus-Dschungel, gesehen im Britzer Garten (Berlin)

Ein kleiner Dschungel aus Bambus und/oder Büschen (zum Beispiel so robuste wie die Schneespiere) mit schmalen Wegen dazwischen ist bei kleinen und großen Kindern sehr beliebt. Schließlich kann man sich dort wunderbar verstecken, Buden bauen oder sich einfach mal zurückziehen vom familiären Trubel…

2 – Rückzugsorte

Apropos „zurückziehen“: Nicht nur ein Dschungel eignet sich als Rückzugsort, sondern auch gemütliche Nestschaukeln, Hängesessel, Zelte, Sonnensegel und Hängematten.

3 – Werkzeuge und -stoffe

Nicht nur Jungs probieren sich gerne mal im Handwerklichen. Auch Mädchen wollen sich mitunter selbst etwas bauen, zum Beispiel ein Gehege fürs Haustier oder ein Baumhaus. Werkzeuge und Baumaterialien (alte Bretter, Nägel usw.) sollten deshalb frei zugänglich sein. Bisweilen können die Eltern ja helfen. Oft genug sieht man Väter allein beim Bau eines Baumhauses, dabei sollte das doch Kindersache sein! Überdies bevorzugen Kinder ein Baumhaus im Wald, weil sie dort ungestört sind… 😉

4 – Sandkasten/Buddelkiste
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Photo by Kaboompics.com from Pexels

Sehr beliebt bei ganz kleinen Kindern bis etwa drei Jahren. Im Sommer kann darin auch bestens herumgematscht werden. Wir haben auf eine solche Kiste verzichtet, weil ich pragmatisch dachte: „Die Kinder können ja auch in der Gartenerde herumgraben.“. Taten sie auch, allerdings an den blödesten Stellen, so dass ich nun andauernd über irgenwelche Löcher und Dellen stolpere.

5 – Trampolin

Ich habe die hässlichen Teile für einen Hype gehalten, der schnell vorübergehen wird. Damit lag ich ganz klar falsch. Beliebter als ein Trampolin ist wohl kaum ein anderes Spielgerät im Familiengarten (selbst bei älteren Kindern!). Insofern findet man Trampoline auch fast überall. Wer sich keines anschaffen mag, frage doch einfach mal nett bei den Nachbarn nach. Unsere jedenfalls haben nichts dagegen, dass meine Kinder ihr Trampolin mitbenutzen (dafür dürfen ihre Kinder auch in unseren Pool).

6 – Tischtennisplatte

Nix für Kleinkinder, dafür bei den größeren und ganz großen umso beliebter. Zumindest in unserer Familie liefern sich sowohl Kinder als auch Eltern und Großeltern spannende Matches. Beim Kauf solltest du darauf achten, dass die Platte Outdoor-tauglich ist, sonst kann sie sich bei den unterschiedlichsten Witterungseinflüssen verziehen.

7 – Kletterparkour

Kinder klettern gern und der Waldgarten liefert genügend Holz. Was liegt also näher, als einen Kletterparkour zu bauen? (Wer handwerklich unbegabt ist, findet bestimmt wenigstens einen Baumstamm, auf dem die Kleinen balancieren können.) Allerdings besteht hier die Gefahr, dass der Parkour langweilig wird, sobald die Kinder ihn ein paar Mal auf- und abgeklettert sind!

Generell gilt fürs Spielen im Garten: Kinder wollen selbst kreativ werden und auf Entdeckungsreise gehen. Zu viele Spielgeräte bleiben ungenutzt, weil sie schon nach kurzer Zeit langweilig werden.

8 – Gemüsebeet

Auch dieser Spaß ist eher kurzweilig, obwohl wir Erwachsenen glauben, unseren Kindern mit einem Gemüsebeet etwas wahnsinnig Gutes zu tun. Wegen des pädagogischen Charakters (Kinder lernen etwas über Pflanzen und gesunde Ernährung) ist dieses „Spiel“ folglich beliebter bei den großen als bei den kleinen Gärtnern.

Fakt ist: beim Aussäen machen die Kinder gerne mit, auch das Gießen übernehmen sie hin und wieder, die Ernte ist ohnehin spannend. Zwischendurch lässt sich der Nachwuchs jedoch selten am Beet blicken. Das Unkraut musst du selber jäten.

Kindgerechter Garten: Darauf solltest du achten

  • Beim Pflastern der Wege möglichst glatte Steine verwenden, damit Kinder darauf leichter Radfahren, Skateboarden und Rollschuhlaufen können. Damit die Spielgeräte danach nicht überall herumliegen, sollte genügend Platz in Schuppen oder Keller dafür zur Verfügung stehen. Unsere Räder lassen wir auch mal draußen stehen. An die Hauswand gelehnt (und umgefallen) hinterlassen sie allerdings hässliche Schrammen am Putz. Deshalb lieber in einen praktischen Fahrradständer investieren! Der bietet auch gleich Platz für Gäste-Räder.
  • Rasenflächen anlegen, auf denen Buden gebaut und Decken ausgebreitet werden können, auch gespielt wird auf dem Rasen, zum Beispiel Federball, Fußball, Volleyball
  • Fertige Spielgeräte/Klettergerüste werden schnell öde, ein Kletterbaum tut’s auch, sofern man einen hat.
  • Sitzmöbel extra für Kinder werden selten genutzt, auch wenn sie aus Sicht der Erwachsenen niedlich aussehen.
  • Auch wenn es kein Pool oder Teich ist: Kinder lieben das Element Wasser. Ihnen reicht ein Rasensprenger, um sich zu erfrischen, und ein Bottich Wasser, um herumzumatschen.

Gefahren im Familiengarten ausmerzen?

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Garten kindgerecht gestalten

Der Familiengarten sollte frei von giftigen Pflanzen sein. Auch sollten Geräte, die ein gewissen Risiko bergen (Rasenmäher, Gartenscheren) nicht in die Hände von Kindern geraten. Das jedenfalls habe ich in den unterschiedlichsten Ratgebern gelesen…

Kinder sind jedoch keine Hunde, die mal eben Dünger schlecken oder Tollkirschen kauen. Im Gegenteil, sie sind verständig. Soll heißen: Kinder verstehen durchaus, wenn du ihnen etwas erklärst. Ich habe zig giftige Büsche und Bäume im Garten, angefangen bei der allseits beliebten Robinie übers Pfaffenhütchen bis zum Efeu. Allerdings habe ich meinen Kindern ausführlich erklärt, welche Pflanzenteile giftig sind und welche Auswirkungen der Konsum haben kann. Auch das ist Natur. Sie lauschten gespannter als bei den Grimm’schen Märchen!

Auch meine Gartenschere lasse ich hin und wieder unabsichtlich irgendwo liegen. Danach bin ich wenig begeistert, wenn ich meine Tochter damit hantieren sehe. Trotzdem erkläre ich ihr lieber, aus welchen Gründen sie vorsichtig mit der Schere umgehen soll, statt sie ihr gänzlich zu verbieten.


Selbstverständlich ist der Familiengarten kein reiner Spielplatz. Er ist viel mehr! Treffpunkt, Rückzugsort, Entspannungsmöglichkeit und doch auch ein Ort zum Spielen.

Im besten Falle wird der heimische Garten für die Kinder zum Ausgangspunkt, um die große weite Welt zu erkunden.

MM