Es gibt zwei Arten von Gärtnern. Solche, die ein Stück Land erben und darauf Rasen aussäen, eine sorgsam gepflegte Grasfläche anlegen, ordentlich abgekantet, in geraden Linien gemäht und von allen bewundert. Und solche, die ihre Fläche nutzen, um etwas anzupflanzen, die sich um das, was darauf wächst, kümmern und es mit anderen teilen. Letztere graben tief in die Erde, sie pflügen und verbessern den Boden, pflanzen Samen ein und sehen ihnen beim Sprießen zu. Sie schützen und behüten alles, was dort lebt, und am Ende teilen sie die reiche Ernte mit anderen.

Allan Jenkins: Wurzeln schlagen

Ich muss zugeben, einen Rasen anzulegen, genoss die höchste Priorität, nachdem wir unser Grundstück erworben hatten. Schließlich wollte ich nicht über Sand und Erde laufen, sondern einen grünen Teppich unter den Füßen haben. Einen Gartengestalter konnte ich mir nicht leisten. Also musste ich erst einmal selbst Fehler machen – um daraus zu lernen…

Mit oder gegen die Natur gärtnern?

Das flauschige Grün hat nämlich seinen Preis, der insbesondere im trockenen Brandenburg für die Natur hoch ist: Das, was wir unter einem perfekten Rasen verstehen, wurde nämlich in England erfunden, einem Landstrich, dessen Wetterlage die Pflege des Rasens sehr einfach macht:

Mit ihren sattgrünen und dichten Rasenflächen setzten die Engländer Maßstäbe in der damaligen Gartengestaltung und inspirierten auch andere Nationen, dem Ideal des „Englischen Rasens“ nachzueifern. Begünstigt wurde diese historische Entwicklung übrigens durch die vorherrschenden Wetterbedingungen in England. Die häufigen Niederschläge, die milden Winter und die nur seltenen sowie kurzen Trockenperioden stellten damals wie heute optimale Voraussetzungen für die Anlage und Pflege von Rasenflächen dar.

Meine Rasenwelt

Es wird Zeit, alte Gewohnheiten abzulegen

Kiesgarten, aus dem Buch „Richtig gut Gärtnern“ (DK Verlag)

Hier in Brandenburg sind die Sommer für gewöhnlich heiß und trocken, Niederschläge bleiben manchmal über Monate(!) aus, der Boden ist sandig, die Winter in der Regel kalt:

Was in aller Welt lässt uns am Ideal des englischen Rasens festhalten? Die Gewohnheit? Oder liegt es am billigen Gartenwasser, das kubikliterweise verschleudert wird, damit sich das Gras auch im Hochsommer nicht gelb verfärbt?

Trockene Gärten, in denen Wassermangel herrscht, erfordern trockenheitstolerante Pflanzen. Kies ist hier auch die bessere Wahl als ein Rasen, der regelmäßig gewässert werden muss.

Richtig gut Gärtnern, DK-Verlag

Weiter heißt es im Buch: „Mit zunehmender Wasserverknappung und Sommern, die wohl immer trockener werden, ist die Schonung der Wasserressourcen wichtig.“

Instektenfreundliche Alternativen zu Rasen

Alternativen zu Gras gibt es – und sie erfordern nicht einmal unbedingt mehr Arbeit. Schließlich handelt es sich meistens um robuste Pflanzen, die den Platz des Rasens einnehmen.

Man kann aber auch ein lockeres Pflaster aus Natursteinen verlegen, in dessen Ritzen und Lücken man niedrige Stauden wie Blaukissen oder Kräuter wie Teppich-Thymian pflanzt. Letzterer duftet sogar, wenn ihn die Füße beim Vorübergehen streifen.

Im Schatten wiederum gedeiht Moos ganz ausgezeichnet. Kombiniert mit Zwiebelblumen wie Krokussen und Schneeglöckchen gewinnt er mehr Farbe.

Noch mehr Vielfalt verspricht eine Blumenwiese aus standortgerechten Gräsern und ein- bis zweijährigen Blumen (in Brandenburg wäre das eine Magerwiese mit Blumen wie Grasnelke oder Wiesensalbei). Entsprechende Saatgutmischungen werden von Gärtnereien und Sämereien vertrieben. Ihr Vorteil besteht nicht nur in der Toleranz gegenüber Trockenheit und Hitze, sondern auch darin, Futter für Bienen und andere Kleinstlebewesen zu bieten.

Das Anlegen einer Wildblumenwiese erfordert jedoch Planung. Wie du dabei vorgehst, wird Schritt für Schritt im Buch „Richtig gut Gärtnern“ beschrieben. Erhältlich ist das umfassende Nachschlagewerk für Garten-Einsteiger im DK-Verlag.


Mein Rasen wird nun jedenfalls peu à peu zurückgedrängt und mit Pflanzen ersetzt, die weniger Wasser benötigen, seien es Bodendecker wie Feldthymian, Stauden oder Gehölze. Denn ich möchte zur zweitgenannten Art von Gärtnern gehören.

Und ihr?

MM