Schlagwort: Lieblingsbücher

Augenöffner

Rezension zu Cho Nam-joo: „Kim Jiyoung, geboren 1982“. Aus dem Koreanischen übersetzt von Ki-Hyang Lee. Kiepenheuer & Witsch. Köln 2021. 208 Seiten.

Der Feminismus hat mich nie sonderlich interessiert. In den Industrieländern des westlichen Kulturkreises herrscht schließlich Geschlechtergerechtigkeit. Die meisten Kämpfe wurden erfolgreich für die Frau ausgefochten. Mittlerweile wünscht sich die Mehrzahl werdender Eltern hierzulande sogar lieber ein Mädchen als einen Jungen, während in ärmeren Ländern immer noch gerne vom Recht auf Abtreibung Gebrauch gemacht wird, wenn sich weiblicher Nachwuchs ankündigt.… Vollständiger Artikel

Winter-Odyssee

Rezension zu Serhij Zhadan’s: „Internat“ (Roman)

Dass im Donbass schon lange vorm Einmarsch der Russen in die Ukraine Krieg herrschte, habe ich nur am Rande wahrgenommen. Es schien so weit weg und irgendwie unbedeutend. Erst seitdem der gesamten Ukraine der Krieg erklärt wurde, hat sich das öffentliche Interesse schlagartig gewandelt. Wie alles anfing, davon erzählt Serhij Zhadan in seinem Roman „Internat“.Vollständiger Artikel

Über den Sinn des Lebens

„Wie alle anderen Tiere weichen wir vor allem, was uns mit dem Tode bedroht, mit Entsetzen zurück. Im Unterschied zu anderen Säugetieren jedoch wissen wir Menschen, dass wir sterben müssen“, schreibt Carlo Strenger in seinem 2011 erschienen Buch „Die Angst vor der Bedeutungslosigkeit“. Und auch diese Angst befällt nur den Menschen, da ihm seine Sterblichkeit eben bewusst ist.… Vollständiger Artikel

Nichts für Zartbesaitete: „Wie später ihre Kinder“ von Nicolas Mathieu

Ein Roman über die Jugend in den 90ern: Da fühlte ich mich sofort angesprochen! Schließlich bin ich selbst in dieser Zeit großgeworden. Die ersten Seiten schienen auch genau das zu versprechen, was ich von diesem Buch erwartete. Sie schilderten ein kleines Abenteuer zweier Cousins – die beiden stehlen aus Langeweile ein Kanu und paddeln zum Nackbadestrand eines Sees.… Vollständiger Artikel

Tricky

Es war da noch ein tieferer Grund, weshalb das Café der Stadt so viel bedeutete. Und dieser tiefere Grund hat mit einem gewissen Stolz zu tun, der hierzulande bisher unbekannt war. Um diesen Stolz zu begreifen, muss man sich vor Augen halten, wie wenig das menschliche Leben gilt. […]

Ohne zu überlegen weiß man, wie viel ein Ballen Baumwolle oder ein Liter Sirup kostet.

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Saunalektüre

Man sagte ihnen, dass Olli anders sei, aber sie sahen, dass der Küster beim Laubharken immer wieder von vorne anfing, wenn ein Windstoß seinen Haufen zerweht hatte, und dass die Mutter von Familie Malinen morgens die Fransen der Teppiche neu zusammenflocht und dass die Frau des Lebensmittelhändlers Bonbons klaute, aus dem Geschäft nebenan, nicht aus dem eigenen, wo sie alles umsonst bekam, und so glaubten die Kinder den Erwachsenen nicht.

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Anschluss zu finden ist schwer

Vor etwa zwei Monaten habe ich mich in „Rätselhafte Hinterwäldler“ einem Thema gewidmet, das mich beschäftigt, seitdem ich ins Berliner Umland gezogen bin: Wie Zugezogene von Ansässigen aufgenommen bzw. wahrgenommen werden. Damit meinte ich nicht nur Leute, die schon seit Generationen im selben Ort leben, sondern zudem all jene Einwohner, die sich bereits eingelebt haben und somit Teil eines Netzwerks geworden sind.… Vollständiger Artikel

Rätselhafte Hinterwäldler

Ich habe den Optimismus und die Neugier verloren, die ich noch hatte, als ich zu deinen Kita-Elternabenden ging: Da war ich Anfang dreißig und hatte Lust, Mutter zu sein. Jetzt bin ich Mitte vierzig und will meine Ruhe vor diesen Arschgesichtern, ehrlich, ich verachte sie. Die Angst, die ihnen aus den Poren tritt, und wie sie poltern und hetzen, und versuchen, sich mit irgendwem gemein zu machen, der ihnen Schutz bieten könnte, weil er stark ist.

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So ist das Leben

Das Vorteilhafte dieses überaus hässlichen Monats März ist ja, dass er genügend Gelegenheiten bietet, zu lesen. Also habe ich mir gleich mehrere Bücher bestellt, die kürzlich in den Feuilletons der großen Tageszeitungen besprochen und in den höchsten Tönen gelobt wurden. Eines davon: „Anything is Possible“ von Elizabeth Strout. Die Schriftstellerin hat sogar den Pulitzer Preis gewonnen, eine der höchsten Auszeichungen für Medienschaffende in den USA.… Vollständiger Artikel

Bücher für Kinder & Kindgebliebene

Wie gut, dass ich Kinder habe. So komme ich auch als Erwachsene immer wieder in den Genuss, Kinderbücher zu lesen. Einige wenige Kinderbuchperlen schaffen es nämlich, die Essenz des (gesellschaftlichen) Lebens in wenige Bilder – und noch weniger Text zu fassen. Bei vielen von ihnen habe ich sogar das Gefühl, sie wurden in erster Linie für all jene geschrieben, die vorlesen, gar nicht so sehr für die Kinder.… Vollständiger Artikel

Und denke an Lucia Berlin

Immer wenn ich kurz davor bin, meine Freiheit zu verlieren, werde ich wehmütig. Dabei weiß ich sie ansonsten überhaupt nicht zu schätzen. Jetzt zum Beispiel scheint die Sonne gedämpft durch einen zarten Nebelschleier, der zwischen den Baumwipfeln hängt. Ein perfekter Moment für einen Spaziergang durch den Wald. Doch ich bleibe am Schreibtisch sitzen und schaue nur aus dem Fenster, als reiche das bereits.… Vollständiger Artikel

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