Eigenes Gemüse anbauen & ernten

Der Gemüseanbau im eigenen Garten gehört für mich zur Königsklasse des Gärtnerns. Denn im Gegesatz zu Zierpflanzen braucht Gemüse viel Zuwendung: Da muss gedüngt und gewässert werden, Schädlinge bekämpft und Krankheiten vorgebeugt werden. Schließlich sollen die Pflänzchen nicht nur wachsen und gedeihen, sondern auch reiche Ernte hervorbringen. In diesem Sinne ist Gemüse sozusagen das Gegenteil meiner pflegeleichten Pflanzen, denen ich mich sonst so gerne widme.

Die unzähligen Vorzüge eines Gemüsegärtchens…

  • Ob im Garten, Hochbeet oder auf dem Balkon, Gemüse anbauen will gut durchdacht sein. Lohnenswert ist es trotzdem. Schließlich ist es einfach schön, das Wachstum einer Pflanze zu begleiten und wortwörtlich die Früchte der eigenen Arbeit zu genießen.
  • Außerdem spart man als Selbstversorger Geld, was bei den derzeitigen Lebensmittelpreisen nur von Vorteil sein kann.
  • Last but not least kann ein Gemüsebeet ein richtiges Prachtstück sein, das deinen Garten optisch aufwertet:
  • Viele von uns denken bei einem Gemüsebeet an langweilige Reihen aus Salat und Kohl. Dabei kann man mit ein wenig Planung die unterschiedlichsten Formen und Farben ins Beet bringen. Kräuselige Salatblätter können mit leuchtendgelben Tagetes und anderen bunten Einjährigen Blumen, (Zier-)Lauch oder duftenden Kräutern kombiniert werden, so dass im Laufe der Monate immer wieder Neues erblüht und gedeiht. So gestaltet sich die Pflanzenpflege als ein Vergnügen für alle Sinne.

Schritt für Schritt zum eigenen Gemüsebeet: Erst einmal klein anfangen!

Gemüse anbauen
Hochbeet mit Salat und Schnittlauch, Foto von Markus Spiske

Wie anfangs erwähnt, macht ein Gemüsebeet viel Arbeit – und je größer es ist, desto mehr fällt an! Zeit- und Pflegeaufwand halten sich jedoch in Grenzen, wenn du erst einmal mit einem kleinen Beet beginnst.

  • Etwa zwei Quadratmeter sollten fürs Erste genügen. Diese Fläche ist überschaubar, reicht aber trotzdem für bis zu sechs verschiedene Gemüsesorten.
  • Diese sollten sich auf deinem gewählten Standort (sonnig?, geschützt?, kühl?, feucht?) wohlfühlen.
  • Oftmals ist die vorhandene Erde nicht nährstoffreich genug. Bevor du Gemüse anbaust, solltest du also entweder den Boden gegen hochwertige Pflanzerde austauschen. Oder du mischst Kompost/Langzeitdünger unter, der deine Pflanzen mit Nährstoffen versorgt.

Dein Beet sollte darüber hinaus unkrautfrei sein, die Erde darin fein krümelig durchgeharkt. Gemüsepflanzen können kleine Diven sein (das weiß ich aus eigener Erfahrung…). Nur das Beste ist gut genug.

Welche Sorte eignet sich in deinem Beet am besten?

Hast du dich für einige Gemüsepflanzen entschieden, ist immer noch die Frage offen, welche Sorten du wählst: Von nahezu jeder Pflanze sind unzählige Züchtungen auf dem Markt. Hier unterscheiden sich sowohl die Standortbedingungen und Größe der Pflanzen als auch Geschmack und Aussehen ihrer Früchte.

Tomatenpflanzen zum Beispiel können sehr hoch wachsen. Für kleine Gärten und den Balkon gibt es aber auch Züchtungen, die klein und buschig bleiben (Cocktail-Tomaten). Legst du Wert auf ein pflegeleichtes Beet, solltest du auf Varianten achten, die kaum schädlings- oder krankheitsanfällig sind.

Alternativ pflanzt du Gemüse und Kräuter zusammen, die sich gegenseitig im Kampf gegen Schädlinge und Pilze helfen. Lauchgewächse wie Schnittlauch und Zwiebeln können die Ausbreitung von Krankheiten verhindern. Pilze und Bakterien lassen sich bekämpfen, wenn Kräuter wie Basilikum oder Pfefferminze gepflanzt werden. Näheres dazu findest du unter „Mischkultur“ weiter unten.

Platz lassen!

gemüse anbauen
Kartoffeln sind einfach anzubauen, Foto von Markus Spiske

Ich selbst bin ein Freund dichter Bepflanzung, damit der Boden bei ausbleibendem Regen nicht so schnell austrocknet. Bei Gemüse wirkt sich der mangelnde Platz jedoch kontraproduktiv aus: Ob Salat, Kohl oder Karotten, das Gemüse kann sich nicht gut entwickeln und bleibt klein. Deshalb ist es wichtig, den Gemüsepflanzen genügend Platz zu lassen. Trotzdem kannst du natürlich Einjährige als Lückenfüller nutzen (siehe unten).

Früchte im Wechsel der Jahreszeiten

Nicht erst im Herbst wird geerntet. Wenn du sowohl Kalt- als auch Warmwettergemüse anpflanzt, erntest du vom Frühling bis zum Winter kontinuierlich Gemüse und Kräuter. Im Netz und im Buchhandel findest du unzählige Aussaatkalender, auf denen man auch ablesen kann, wann welches Gemüse ins Beet gepflanzt werden darf.

Die meisten Pflanzen (Salat, Kartoffeln, Erbsen) können ab April ins Freiland und werden im späten Frühjahr oder Sommer geerntet. Frostempfindliches Gemüse, wie Tomaten und Gurken, werden jedoch erst nach den Eisheiligen im Mai gepflanzt. Grünkohl kommt im Juli ins Beet – Rhabarber sogar noch später, nämlich erst im Herbst!

Regelmäßig Gießen ist ein Muss

Ob du das Saatgut deiner Gemüsepflanzen ins Freiland streust oder Setzlinge ins Beet pflanzt, die Erde muss zu Beginn stets feucht gehalten werden. Nur so bilden die Pflanzen starke Wurzeln und wachsen gut an. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass du regelmäßig gießen musst. Am einfachsten funktioniert das mit einem automatischen Bewässerungssystem, das möglichst bodennah verlegt wird, damit die Blätter der Pflanzen nicht nass werden. Dieses ist allerdings teuer und lohnt sich erst, wenn du ein größeres Beet bewirtschaftest.

Sind die Pflanzen schon etwas kräftiger, brauchst du den Boden nicht mehr konstant feucht zu halten. Jetzt ist es besser, ein- bis zweimal die Woche ausgiebig zu wässern. Dadurch dringt das Wasser tiefer in den Boden ein, was die Wurzeln dazu anregt, in die Tiefe zu wachsen. Dieses Tiefenwachstum zahlt sich später bei sommerlicher Hitze und Trockenheit aus.

Gemüse anbauen: Wer passt mit wem ins Beet?

Wie genau ein Gemüsebeet angelegt wird, ist eine Wissenschaft für sich, denn man muss den Fruchtwechsel in die Planung miteinbeziehen. Damit die Erde nicht auslaugt (viele Gemüsesorten benötigen sehr viele Nährstoffe, die sie dem Boden entziehen), soll man etwa vier Jahre(!) warten, bevor man dasselbe Gemüse noch einmal anpflanzt.

gemüse anbauen knoblauch
Lauchgewächse wie Knoblauch sollten im Gemüsebeet nicht fehlen, Foto von Sandy Andreopoulos

Das erübrigt sich allerdings bei unserem kleinen Anfänger-Beet. Schließlich fehlt uns hier der Platz. Achten solltest du trotzdem darauf, dass sich die einzelnen Gemüsesorten miteinander vertragen, also gegenseitig im Wachstum fördern. Dies lässt sich in sogenannten Mischkulturkalendern ablesen.

  • Gute Nachbarn sind zum Beispiel Kartoffeln, Knoblauch und Spinat.
  • Um Platz zu sparen, kannst du zudem schlanke Gemüsesorten, wie die Karotte, neben ausladende, wie den Kopfsalat, pflanzen.
  • Ebenso werden Tiefwurzler wie Mangold gerne zusammen mit Radieschen, Chicorée oder Kerbel angebaut, weil diese zu den Flachwurzlern zählen und sich somit gut ergänzen.
  • Auch lohnt es sich mitunter, Schwachzehrer und Starkzehrer nebeneinander zu pflanzen. So vertragen sich Tomaten, die einen hohen Nährstoffbedarf haben, besonders gut mit Salat Pflanzen, Kapuzinerkresse, Kräutern oder Zwiebeln, die zu den Schwachzehrern zählen. Außerdem stehen Letztere im Ruf, Krankheiten vorzubeugen und Schädlinge zu vertreiben.

Auf die Reihenfolge achten

Auch wenn das Beet klein ist, wirst du einige Pflanzen – wie Karotten – nur einmal ernten und danach Lücken im Beet haben. Ggf. musst du dieses Gemüse mehrfach anpflanzen. Oder du baust dort ein anderes Gemüse an, das ohnehin erst im Frühsommer ins Freiland darf, zum Beispiel Zucchini oder Sellerie.

Andere Sorten wiederum wollen nach der Ernte umgepflanzt werden (Erdbeeren), um weiterhin große Früchte hervorzubringen. All das musst du natürlich vorher bedenken und in deine Planung einbeziehen. Am besten, du machst dir ein paar Skizzen…

Gemüse & Einjährige mischen

ringelblumen im gemüsebeet
Ringelblumen und Kohl im Mix

Auch aus praktischen Erwägungen ergeben sich weitere gute Partner: So dienen Einjährige Blumen wie Kümmel, Kamille, Tagetes oder Ringelblume nicht nur als optisches Highlight (viele von ihnen zählen zu den Dauerblühern!). Sie können auch unters Saatgut der Gemüsepflanzen gemischt werden, damit diese nicht zu dicht wachsen. Gerade winzig kleine Samen wie die der Karotte oder des Thymians sollen ohnehin mit Sand vermischt werden. Statt Sand kannst du auch die Samen der Einjährigen verwenden.

Übrigens sterben die meisten Einjährigen mit dem ersten Frost ab und können dann als Gründüngung zur Bodenverbesserung verwendet werden. Über den Winter. Auch die Pflanzenrückstände von Senf, Raps oder Klee können – sofern sie rechtzeitig ausgesät wurden – in den Boden eingearbeitet werden.

Gemüse anbauen: Der Aufwand lohnt sich! So erntest du nicht nur dein erstes eigenes Gemüse, sondern verschönerst auch gleich deinen Garten – und lockst Insekten und Vögel an!

MM


Titelfoto von Johnny McClung auf Unsplash