Manchmal wundert es mich schon, was da so alles blüht in meinem Garten – ohne dass ich es gepflanzt oder ausgesät habe. Hin und wieder ärgert es mich auch. Schließlich überwuchert es oft meine Stauden. Oft freut es mich aber, gerade wenn die Pflänzchen Orte begrünen, wo sonst nichts wächst.

Zumeist weiß ich allerdings nicht, um was für Pflanzen es sich handelt. Früher habe ich dann meinen Schwager genötigt, in seinem dicken Pflanzenbestimmungsbuch nachzusehen. Heute aber geht es einfacher – mit einer Pflanzenbestimmungs-App nämlich!

Okay, man könnte auch einfach Google (Lens) fragen, aber man muss der Datenkrake ja nicht alles überlassen. Außerdem hat mir meine Pflanzenbestimmungs-App (PlantNet heißt sie, doch es gibt noch einige andere) wirklich gute Dienste erwiesen: Einfach ein Foto machen, dieses wird sogleich mit den Bildern in der Datenbank abgeglichen und ein Ergebnis geliefert.

Somit weiß ich nun, dass ich

Gundermann (Glechoma hederacea)

im Garten habe. Ich erwähne dieses Kraut als erstes, weil es einen so einprägsamen (und bescheuerten) Namen trägt. Ich meine, wer denkt denn beim Anblick eines so liebreizenden Blümleins an: Gundermann!?

Gundermann (siehe Beitragsbild oben) blüht jedes Jahr in meinem Garten und bildet sogar kleine Teppiche, vor allem im Schatten von Bäumen und Büschen.

Trotzdem war mir Gundermann bis dato unbekannt. Mittlerweile weiß ich, dass die Pflanze auch „Wilde Petersilie“ genannt wird, weil man sie zum Würzen verwenden kann. Doch nicht nur das:

Der Gundermann ist ein wundervolles Heilmittel, wenn es um langwierige Krankheiten geht. Er hilft bei schlecht heilenden eitrigen Wunden und auch eitriger Bronchitis, Harnwegserkrankungen oder Schnupfen. Überall da, wo Eiter und Schleim fließt, ist Gundermann angesagt.

Kostbare Natur

Seltsam, aber wahr: Für die meisten Tiere (sogar Pferde!) ist Gundermann giftig, für uns Menschen hingegen gut bekömmlich.

Schaumkraut (Cardamine hirsuta)

Das bereits verblühte Wiesenschaumkraut

Das Schaumkraut gedeiht nahezu überall in meinem Garten. Ich würde es daher als invasiv beschreiben. Vor allem mein Lavendelbeet hat es komplett zugewuchert. Der Lavendel war tatsächlich nicht mehr zu sehen. Und als ich es entfernen wollte, hat es bei jeder Berührung gefühlt eine Million Samen ÜBERALL verteilt (sie werden bei Berührung aus ihren kleinen Schoten geschleudert)! Ich werde also noch lange Freude an dieser Pflanze haben…

Immerhin gibt es auch bei dieser Pflanze Positives zu vermelden:

Wer mag, kann dieses Unkraut auch zum Wildgemüse umfunktionieren. Die Blätter haben einen kresseähnlichen Geschmack und lassen sich im Salat verwenden. Ausrotten kann man das Kraut damit sicherlich nicht, aber das Jä­ten fällt so vielleicht etwas leichter.

Gartenfreunde

Außerdem soll ein Tee mit Wiesenschaumkraut das Immunsystem stärken und gegen Frühjahrsmüdigkeit helfen. Wohl bekomm’s!

Wolfsmilch (Euphorbia)

Zypressen-Wolfsmilch

Genau genommen, hat PlantNet die Zypressen-Wolfsmilch als Ergebnis ausgespuckt. Vermutlich aber sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Wolfsmilch-Gewächsen nicht allzu groß. Es gibt allerdings eines, das besonders heraussticht und jedem bekannt sein dürfte: der Weihnachtsstern!

Letzterer wächst leider nicht in meinem Garten, dafür eben die recht unscheinbare Zypressen-Wolfsmilch. Da sie zum einen nicht sonderlich attraktiv ist, zum anderen auch noch stark giftig, bin ich froh, dass die Pflanze in meinem Garten stets am selben Fleck wächst – und sich nicht verbreitet.

Alle Pflanzenteile sind durch den Milchsaft stark giftig. Die Hauptwirkstoffe sind Diterpenester vom Ingenan-Typ, so genannte Cyparissiasfaktoren. Sie wirken stark irritierend auf die Haut und tumorpromovierend.

Wikipedia

Weicher Storchschnabel (Geranium molle)

Weicher Storchschnabel

Ob im Kies direkt am Haus, in voller Sonne oder Schatten, Storchschnäbel sind in meinem Garten (neben unerwünschten Gräsern) die wuchsfreudigsten Pflanzen. In der Regel werden sie recht groß, geradezu buschig, und verströmen bei Berührung einen seltsamen (aus meiner Sicht unangenehmen) Geruch.

Der weiche Storchschnabel jedoch ist so klein und flach, dass man ihn eigentlich nur dann wahrnimmt, wenn er blüht. Dann schimmert er nämlich durchs Gras.

Der wissenschaftliche Name Geranium bedeutet übrigens im Griechischen Kranich und bezieht sich wie der deutsche Name Storchschnabel auf die schnabelartige Frucht. In kultivierter Form ist er sogar käuflich zu erwerben. Im Handel heißen die reichblühenden Stauden Geranien.

Das Blümchen ist mir sehr willkommen, bringt es doch Farbe in den Rasen.

Wiesensalbei (Salvia pratensis)

Salvia pratensis, Bild von wal_172619

Weil der Wiesensalbei eine so eindrucksvolle Pflanze ist – mit recht großen Blättern, der hohen Statur und den vielen violetten Lippenblüten, habe ich ihn sofort entdeckt. Tatsächlich habe ich überlegt, ob ich die Staude nicht sogar selbst gepflanzt habe, denn sie steht passend im Staudenbeet! Doch nein, der Wiesensalbei muss sich selbst dort ausgesät haben – und kommt nun schon im zweiten Jahr!

Allerdings befürchte ich, dass er steril ist, also keine Pollen ausbildet. Meine Recherche hat nämlich ergeben, dass die Pflanze besonders viel Licht braucht (in meinem Garten steht sie aber im Halbschatten). Das ist wohl der Grund, weshalb ich nur einen einzigen Wiesensalbei habe. Schade.

Der Wiesensalbei gehört zu den sogenannten Licht- oder Sonnenpflanzen (Heliophyten). Diese Pflanzen benötigen für Wachstum und Vermehrung einen sehr hohen Lichtgenuss und kommen auf stark strahlungsexponierten Standorten vor. Der Durst des Wiesensalbeis nach Licht sorgte für etliche „Sonderanpassungen“: z.B. ein Wachsüberzug der ledrigen Blätter und eine dichte Behaarung, um den Wasserverbrauch zu minimieren, sowie die Fähigkeit, aktiv die Blattstellung mit der Wanderung der Sonne im Tagesverlauf zu verändern, um die Sonnenstrahlung optimal nutzen zu können. 

LWG Bayern

Natternkopf (Echium vulgare)

Natternkopf
Bild von Peter H

Zuletzt zu meinem „Lieblingsunkraut“ – und das schreibe ich völlig ironiefrei! Denn ich liebe den Natternkopf wegen seiner – ähnlich wie beim Wiesensalbei – vielen Blüten, deren Blau einfach unvergleichlich schön leuchtet. Und nicht nur das: Sie verändern ihre Farbe von Rosa über Violett bis hin zum Blau!

Dass es sich bei der bis zu 100 cm hohen Staude um den Natternkopf handelt, erfuhr ich diesmal übrigens nicht von der Pflanzenbestimmungs-App, sondern von meinem Nachbarn.

Auch der Natternkopf bevorzugt sonnige Lagen, benötigt allerdings keinerlei Pflege. Die Pflanze kommt sogar mit längeren Trockenperioden außerordentlich gut zurecht. Da ihre Blätter sehr dicht am Boden wachsen, kann man den Rasen einfach mähen – der Natternkopf treibt trotzdem aus. Und erfreut damit nicht nur mich mit seinem Anblick, sondern vor allem die unterschiedlichsten Insekten mit seinem Nektar.


Ob man die Un-/Beikräuter im Garten nun mag oder nicht, eines muss man ihnen lassen: Pflegebedürftig sind sie nicht. Dafür aber hitzetolerant und trockenheitsverträglich. Was will man mehr?

MM