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Die Sommer werden heißer, die Winter milder und die Gartensaison länger. Das merken nicht nur wir Gärtnerinnen und Gärtner, sondern auch die Schädlinge. Manche Arten fühlen sich bei uns inzwischen richtig wohl, andere sind ganz neu dazugekommen.

Warum der Klimawandel das Leben vieler Schädlinge leichter macht, welche Arten im Garten zunehmen, wie du sie ohne Gift bekämpfst und worauf du achten solltest, wenn du Nützlinge bei Hitze und Trockenheit einsetzt.

Was der Klimawandel mit Schädlingen zu tun hat

Insekten sind wechselwarme Tiere. Ihre Entwicklung hängt also stark von der Temperatur ab. Ist es warm, wachsen die Larven schneller und die nächste Generation ist früher da. In einem langen, warmen Sommer schaffen manche Arten dadurch mehr Generationen als in kühleren Jahren. Aus einer kleinen Population kann so in kurzer Zeit ein echtes Problem werden.

Dazu kommen die milden Winter. Früher hat eine längere Frostperiode die Schädlingsbestände oft dezimiert. Bleibt der Frost aus, können mehr Tiere überleben und im Frühjahr mit einem Vorsprung starten.

Und schließlich reisen mit Pflanzen aus aller Welt auch Schädlinge zu uns, die sich bei den steigenden Temperaturen hier dauerhaft ansiedeln können. Das unter Gärtnern wohl bekannteste Beispiel hierfür ist der Buchsbaumzünsler, der so manch eine Hecke vernichtet hat.

Warum Gift keine gute Antwort ist

Wenn die Blätter plötzlich kahl gefressen sind, ist die Versuchung groß, einfach zu spritzen. Ich kann das gut verstehen. Das Problem ist nur: Chemische Mittel treffen oft nicht nur den Schädling, sondern auch Marienkäfer, Schwebfliegen, Bienen und viele andere Insekten. Genau die brauchst du aber, damit dein Garten auf Dauer im Gleichgewicht bleibt. Und in einem Klima, das ohnehin schon Stress für Pflanzen und Tiere bedeutet, ist ein funktionierendes Ökosystem wichtiger denn je.

Natürliche Schädlingsbekämpfung setzt deshalb auf die Gegenspieler, die sich in der Natur von selbst um Schädlinge kümmern. Das können Vögel und Igel sein, aber auch winzige Helfer wie Nematoden oder Raubmilben, die du bei Bedarf selbst ausbringen kannst. Diese Nützlinge wirken gezielt gegen bestimmte Schädlinge und sind für Menschen, Haustiere und Pflanzen unbedenklich.

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Ein vielfältiger Garten ist die beste Vorsorge

Bevor wir uns die einzelnen Schädlinge anschauen, noch ein Gedanke, der mir selbst viel Ärger erspart hat:

Je vielfältiger dein Garten ist, desto seltener gerät ein Schädling völlig außer Kontrolle.

Heimische Sträucher, Blühpflanzen für Insekten, eine Wasserstelle und eine etwas wildere Ecke locken Nützlinge wie Marienkäfer, Florfliegen und Vögel an. Auch ein gut gemulchter, humusreicher Boden hilft, weil er Wasser besser speichert und die Pflanzen dadurch weniger unter Trockenstress leiden. Gestresste Pflanzen sind nämlich oft anfälliger für Schädlinge.

Wenn du Lust hast, deinen Garten in diese Richtung weiterzuentwickeln, findest du viel Inspiration rund um Garten und Pflanzen, von der Gestaltung bis zur Pflege.

Diese Schädlinge profitieren von der Wärme

Buchsbaumzünsler

Der Buchsbaumzünsler ist ein Kleinschmetterling aus Ostasien und wurde Mitte der 2000er-Jahre zum ersten Mal in Deutschland entdeckt. Seitdem hat er sich weit verbreitet und schon unzählige Buchsbäume kahl gefressen. In der Regel gibt es bei uns zwei Generationen pro Jahr. In sehr warmen Jahren können es aber auch mehr werden, was den Schaden deutlich erhöht. Die Raupen überwintern in einem kleinen Gespinst zwischen den Blättern und fangen im Frühjahr ab etwa 7 °C wieder an zu fressen.

Kontrolliere deinen Buchs deshalb schon ab März regelmäßig und schau dabei auch ins Innere der Pflanze. Einzelne Raupen kannst du absammeln. Bei stärkerem Befall helfen Nematoden, die du mit Wasser auf die Blätter sprühst. Am besten machst du das abends oder an einem bewölkten, feuchten Tag, denn die Nematoden vertragen keine pralle Sonne. Gut zu wissen: Inzwischen haben auch Spatzen und Kohlmeisen die Raupen als Futter entdeckt.

Eichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner mag es warm und trocken und tritt deshalb in vielen Regionen häufiger auf. Das eigentliche Problem sind nicht die Fraßschäden an den Eichen, sondern die Brennhaare der Raupen. Ab dem dritten Larvenstadium bilden sie winzige Haare, die ein Nesselgift enthalten. Sie können Hautausschlag, Augenreizungen und Atembeschwerden auslösen und bleiben auch in alten Nestern noch jahrelang gefährlich.

Gegen die jungen Raupen gibt es spezielle Nematoden, die ab etwa Ende April, nach dem Austrieb der Eichen, in die Kronen der befallenen Bäume gesprüht werden. Je früher, desto besser, denn die Nematoden wirken vor allem bei jungen Raupen, bevor diese ihre Brennhaare ausbilden. Wegen der Gesundheitsgefahr gilt aber: Befallene Bäume und Nester nie selbst behandeln oder entfernen, sondern immer einen Fachbetrieb beauftragen.

Thripse

Thripse sind nur etwa einen bis zwei Millimeter groß und saugen an Blättern und Blüten. Typisch sind feine, silbrig glänzende Sprenkel auf den Blättern und kleine schwarze Kotpünktchen. Bei Hitze und Trockenheit vermehren sich Thripse explosionsartig, weil ihre Entwicklung dann besonders zügig verläuft. Vor allem an Zimmerpflanzen, im Wintergarten und im Gewächshaus kann das schnell zum Problem werden.

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Hier helfen Raubmilben, die gezielt Jagd auf die Larven der Thripse machen. Sie werden auf die befallenen Pflanzen gestreut oder in kleinen Tütchen aufgehängt. Da Raubmilben eine gewisse Luftfeuchtigkeit mögen, kannst du sie unterstützen, indem du die Luft um die Pflanzen herum nicht zu trocken werden lässt.

schädlinge nützlinge
Raupen der Gespinstmotte: In Überzahl fressen sie Bäume und Sträucher kahl.

Überblick: Diese Schädlinge solltest du im Blick behalten

In der Tabelle findest du die drei Schädlinge aus diesem Artikel und die jeweils passende natürliche Lösung kompakt zusammengefasst.

SchädlingWarum er zunimmtNatürliche Lösung
BuchsbaumzünslerEingeschleppt, in warmen Jahren mehr GenerationenRaupen absammeln, Nematoden auf die Blätter sprühen
EichenprozessionsspinnerMag warmes, trockenes WetterNematoden gegen junge Raupen im Frühjahr, nur durch Fachbetriebe
ThripseVermehren sich bei Hitze und Trockenheit sehr schnellRaubmilben an Zimmerpflanzen und im Gewächshaus

Nützlinge bei Hitze und Trockenheit richtig einsetzen

Gerade weil die Sommer heißer werden, lohnt sich ein Blick auf die Bedingungen, die Nützlinge brauchen. Nematoden zum Beispiel können sich nur in einem feuchten Umfeld bewegen und vertragen kein direktes Sonnenlicht. Bringst du sie in den Boden aus, gieße ihn vorher gründlich und halte ihn danach noch einige Wochen feucht. Sprühst du sie auf Blätter, wie beim Buchsbaumzünsler, wähle einen Tag mit hoher Luftfeuchtigkeit, damit die Nematoden nicht austrocknen. Bring die Nematoden am besten abends oder bei bedecktem Himmel aus. Bis zur Anwendung gehören sie in den Kühlschrank.

Auch der richtige Zeitpunkt wird wichtiger. Weil viele Schädlinge im Frühjahr früher aktiv werden, ist es sinnvoll, ab März regelmäßig durch den Garten zu gehen und genauer hinzuschauen. Je früher du einen Befall entdeckst, desto leichter lässt er sich mit natürlichen Mitteln in den Griff bekommen.


Fazit: Wärmere Zeiten brauchen mehr Natur im Garten

Der Klimawandel macht es manchen Schädlingen leichter. Sie entwickeln sich schneller, überleben milde Winter besser und breiten sich weiter aus. Mit Gift lässt sich dieses Problem aber nicht dauerhaft lösen, denn es schadet genau den Nützlingen, die deinen Garten stabil halten.

  • Ein vielfältiger Garten,
  • ein aufmerksamer Blick ab dem Frühjahr und
  • gezielt eingesetzte natürliche Gegenspieler sind die bessere Lösung.

So bleibt dein Garten auch in heißen Sommern gesund und lebendig.

MM


Titelbild: von Vitaly Gariev


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