Ich habe auf meinem Blog bereits über das tierquälerische Verhalten von Kindern berichtet, siehe „Warum Kinder keine Haustiere haben sollten“. Damals war ich noch der Meinung, dass es lediglich am Alter der Kinder läge: meine Tochter ist vier. Sie kann sich noch nicht gänzlich in andere hineinversetzen, erstrecht nicht in Tiere.

Vor ein paar Tagen fand ich eines unserer Meerschweinchen, das Weibchen Trisha, tot in ihrem Käfig. Das überraschte mich sehr, denn Trisha war ein quickfideles Meerschweinchen, ziemlich groß und kräftig. Ich habe sie täglich gefüttert. Auf mich machte sie stets einen gesunden Eindruck. Zudem war sie noch jung, nicht einmal zwei Jahre. Das Tier war zurtraulich und lieb.

Ich fand sie eingeklemmt zwischen der Stallwand und der Wand ihres Holzhäuschens. Offensichtlich hatte sie sich dort versteckt. Auch ich musste sie erst einmal suchen. Schließlich hob ich ihr Häuschen an und sah sie: Das Meerschweinchen wirkte plötzlich ganz dünn, wie zerquetscht.

Mein Mann, der sie später aus dem Stall nahm, um sie zu begraben, hatte auch den Eindruck, Trisha sei viel schmaler als zu Lebzeiten gewesen. Für uns beide war klar, dass Trisha keines natürlichen Todes gestorben sein kann. Hätte sie sich zum Beispiel vergiftet, hätte ja auch ihr Partner, mit dem sie sich den Stall teilte, Vergiftungserscheinungen gehabt.

Ich stellte also meine Kinder zur Rede, was vorgefallen war. Mein Sohn war außer sich, da er sehr an den Meerschweinchen hängt. Er erzählte, dass seine Schwester zusammen mit ihrer besten Freundin, der Nachbarstochter, zuvor im Schuppen gewesen ist, wo der Käfig unserer Meerschweine steht. Meine Tochter bestätigte dies auch gleich. Allerdings sagte sie, dass sie die Meerschweinchen lediglich angeschaut hätten, nicht angefasst.

Ich glaubte ihr nicht und bohrte nach, doch die Kleine beharrte darauf: Sie hätte nicht gesehen, wie ihre Freundin in den Stall langte, und auch nicht mitbekommen, dass Trisha getötet wurde. Ich sehe meiner Tochter an, wenn sie lügt. In diesem Fall schien sie wirklich nichts gesehen zu haben.

Trotzdem sind mein Mann und ich der Meinung, dass es nur die Nachbarstochter gewesen sein kann, denn:

  • Sie hat unsere Meerschweinchen bereits früher gequält: Damals haben wir es mitbekommen und sind dazwischengegangen. Daraufhin haben wir ihr verboten, mit unseren Meerschweinchen zu spielen.
  • Später hat sie selbst ein Meerschweinchen geschenkt bekommen. Nach einem Monat war es tot. Zunächst gab sie zu, es „aus Versehen“ umgebracht zu haben. Später hieß es von Seiten der Eltern, das Tier sei ohnehin krank bzw. geschwächt gewesen.
  • Sie ist für ihr Alter (7 Jahre) extrem extrovertiert und selbstbewusst, geht insbesondere auf Erwachsene sehr offen zu. Dabei scheint sie keine Scham zu kennen. Nichts ist ihr peinlich. Darüber hinaus hat sie kein Problem damit, nackt herumzulaufen, auch wenn Jungs, Männer oder generell Erwachsene zugegen sind (sie springt z.B. auch nackt durch unser Haus und unseren Garten). Ich nehme daher an, dass ihr einfach die Fähigkeit fehlt, Empathie zu empfinden.

Wir vermuten deshalb, dass sie allein in den Schuppen gegangen sein muss, um die Tiere zu quälen. Wahrscheinlich wollte sie Trisha gar nicht töten – es ist wieder einmal „aus Versehen“ passiert, beim Quälen eben. Möglicherweise hat sie gar nicht mitbekommen, dass Trisha dabei gestorben ist.

Dummerweise habe ich an diesem Tag vergessen, die Schuppentür abzuschließen…

Unser Sohn, der die Nachbarstochter sowieso nicht leiden kann, konfrontierte sie auf direkte Art mit dem Tod Trishas, indem er sagte: „Du hast Trisha getötet! Wer Tiere zum Spaß tötet, kommt ins Gefängnis.“.

Das muss sie verängstigt haben. Jedenfalls erzählte sie „in Tränen aufgelöst“ ihrer Mutter davon. Dabei erwähnte sie komischerweise genau die gleiche Formulierung wie meine Tochter: Sie hätte die Meerscheinchen nur angeschaut, nicht angefasst.

Hier muss ich hinzufügen, dass das Mädchen hochintelligent ist und stark manipulativ vorgeht. Ich habe schon mehrmals mitbekommen, wie sie Tatsachen verdreht und – je nach dem, wer ihr Gesprächspartner ist – genau das sagt, was dieser hören will.

Ihre Mutter jedenfalls wandte sich (freundlich – wir verstehen uns gut) an mich, weil sie nun eine Entschuldigung von meinem Sohn verlangt. Wir sind allerdings der Meinung, dass sich die Nachbarstochter bei uns entschuldigen sollte. Schließlich hat sie Trisha umgebracht. Dafür haben wir allerdings keine Beweise. Und ihre Mutter, übrigens Tierärztin, hält das für ausgeschlossen.

Dass Trisha eines natürlichen Todes gestorben ist, können wir uns jedenfalls nicht vorstellen: Sie wurde zerquetscht.

Wir befinden uns also in einer blöden Situation. Einerseits wollen wir das gute Verhältnis zu unseren Nachbarn nicht zerstören. Auch die Freundschaft zwischen dem Nachbarsmädchen und unserer Tochter soll nicht leiden. Beide spielen wirklich gern zusammen. Allerdings ist uns das Mädchen nicht mehr ganz geheuer.

Sie war uns schon vorher suspekt, wegen ihres übersteigerten Selbstwertgefühls und weil sie ihre Freunde herumkommandiert. Jetzt frage ich mich aber, ob ich meine Tochter besser von ihr fernhalte…

Irgendwelche Vorschläge, wie ich mich nun verhalten soll?

LG
eure Miss Minze