Ein Garten- & Geschichtenblog

Systemirrelevant

Ich möchte es nicht allzu laut sagen, aber ich wünschte mir fast, dieser Zustand würde noch eine ganze Weile so andauern, hörte ich gestern Abend jemanden murmeln. Zu seinem Schutz schreibe ich lieber nicht, wer es war, doch gedanklich pflichtete ich ihm bei.

Dieser Ausnahmezustand, der uns alle aus der Alltagsroutine katapultiert hat (wovor ich mich anfangs wirklich fürchtete), hat mir doch so manche Einsicht beschert.

Zum Beispiel dass man es zu Hause aushalten kann, selbst am Wochenende. Die freien Tage habe ich bislang immer gut durchgetaktet, Ausflüge und Besuche bei Familie und Freunden geplant. Nun sitzen wir in unserem Garten und das ist auch ganz nett.

Eine weitere Erkenntnis: Man muss gar nicht erst ins Auto steigen, um Freunde zu besuchen. Sie wohnen nebenan! Mit unseren Nachbarn und einer weiteren Familie im Ort bilden wir fast schon einen gemeinsamen Haushalt. Die Großfamilie der systemirrelevanten Homeoffice-Menschen. Da kein Besuch mehr kommt, besuchen wir uns eben gegenseitig, sitzen zusammen an der Feuerschale und backen Stockbrot, grillen auf der Terrasse, trinken Kaffee und diskutieren die neuesten Nachrichten, feiern Geburtstage und färben gemeinsam Ostereier. (Und noch eine neue Erkenntnis: Man kann auch Gänseeier auspusten und bemalen. Ohne meine Nachbarn hätte ich vermutlich nie davon erfahren.)

Die Kinder sind so entspannt wie lange nicht mehr. Egal, wie gut oder schlecht das Wetter ist, sie springen draußen herum. Gestritten haben sie seit Beginn der Krise noch kein einziges Mal richtig (sonst zoffen sie sich fast täglich).

Mit den Aufgaben der Lehrerin kommen wir hingegen nur langsam voran. Meine Autorität lässt sich bloß für gewisse Zeit aufrechterhalten, genauso wie die Konzentration des Kindes. Doch keiner von uns ist frustriert. Die Dinge, die wir schaffen, machen wir immerhin mit Bravour!

Ich verbringe unheimlich gerne Zeit mit meinen Kindern und jetzt habe ich sie. Deshalb hoffe ich, dass die Schule nicht so bald wieder öffnet. Früher oder später jedoch wird es soweit sein. Und dann hat uns der Alltag schneller im Griff, als uns lieb sein kann. Corona 2020 wird nur noch eine Erinnerung sein. Für mich – so makaber es klingt angesichts der vielen Toten -, eine positive, denn der Ausnahmezustand beschert uns, die wir die Chance haben, innezuhalten, einen ganz anderen Blickwinkel auf Alltag, Familie, Mitmenschen, Job und Freizeit.

Wir können uns glücklich schätzen – und das wissen wir.

MM


Ganz wie zu Schulzeiten wird vormittags gelernt…
Oder nachmittags mit Freunden um die Wette gerechnet
Klettern macht allerdings mehr Spaß.
Oder Tischtennis…
Oder Rollenspiele…
Und ganz besonders Wasserspiele!
Schulgarten. Hier wird Knupperkirsche Regina gegossen. Gesät wurde auch schon!
Ausflüge nur den Eltern zuliebe, hier: Wiesenburg
Frohe Ostern!

1 Kommentar

  1. Karl

    Herzlichen Dank für die ehrlichen Worte und den positiven Einblick. Jetzt haben endlich alle etwas mehr Zeit. Lg Karl

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