Ich bin endlich wieder in der Bibliothek gewesen, diesmal aber hatte ich weder Soziologie noch Literatur im Sinn, sondern etwas ganz Praktisches – die Reiseplanung.

Allerdings schwebt mir nichts Genaues vor. Ich weiß nicht einmal, ob ich wandern oder radeln will, geschweige denn, in welches Land die Reise gehen soll!

Kommt wahrscheinlich darauf an, wen ich überreden kann, mitzukommen: mein Schwesterherz oder meinen Liebsten, meine Kinder…?

Anfangs konnte ich mir sogar vorstellen, ganz allein auf Reisen zu gehen. Ich habe ohnehin oft das Gefühl, dass ich für ein einsames Leben bestimmt bin. Ein Gefühl, das jeder Grundlage entbehrt, denn ich bin viel lieber unter Leuten als allein.

Das ist mir jetzt erst wieder an den Feiertagen bewusst geworden, als ich fast ununterbrochen in Gesellschaft von Verwandten und Freunden war. Ständig musste ich lachen. Ich wurde geradezu von Lachkrämpfen geschüttelt. Sowas würde mir als Einsiedlerin fehlen: dieser völlige Kontrollverlust beim Lachen, wenn ich mir fast den Kiefer ausrenke, mir die Tränen über die Wangen laufen und meine Kinder sich peinlich berührt von mir abwenden. Und dafür muss ich nicht einmal besoffen sein, nur unter meinen Leuten. Ich kann mich sehr, sehr glücklich schätzen, mit diesen Menschen Zeit verbringen zu dürfen und Teil ihrer Gesellschaft zu sein.

Das Leben ist schön, schöner kann es nicht werden. Das schreibe ich viel zu selten, weil ich zumeist damit beschäftigt bin, mich zu beschweren. Es gibt mit Sicherheit 100 Baustellen oder mehr, die ich zu beackern habe, aber das Gute ist: sie sind unwichtig. Deshalb lautet mein einziger Vorsatz in diesem Jahr, eine Reise zu planen, die allen gefällt, die mitkommen wollen.

MM