Die gute alte Glotze bietet so manche Fluchtmöglichkeit vor der Alltagsrealität

Meine Highlights in der Corona-Zeit

Das Wetter ist schön. Ich setze mich also raus in den Garten und schlage mein Buch auf, doch ich finde keine Ruhe, um zu lesen. Komischerweise geht mir bei Sonnenschein die Konzentration flöten. Vielleicht liegt es auch am Garten selbst: der ewig Unvollendete will bearbeitet werden. Zumindest bilde ich mir das ein, lege mein Buch beiseite und hole erstmal den Rasenmäher aus dem Schuppen.

Kurz, mit Lesetipps kann ich momentan nicht aufwarten. Dafür komme ich momentan sehr häufig zum Fernsehen (spätabends scheint die Sonne bekanntlich nicht mehr) – und habe tatsächlich ein paar Perlen entdeckt, die ich hiermit weiterempfehlen möchte.


In letzter Zeit haben wir uns verstärkt dem Horrorgenre gewidmet, obwohl wir eigentlich wahre Komödienfans sind. Na, immerhin ein lustiger Film ist uns untergekommen, und zwar:

Der Spion und sein Bruder

Bitte lasst euch nicht vom bescheuerten Titel abschrecken. Im Original heißt der Film Grimsby, da der Protagonist Nobby im gleichnamigen Ort in England lebt. Nobby (stilecht mit Liam-Gallagher-Frisur!) wird von Sacha Baron Cohen gespielt – besser bekannt unter seinem Pseudonym Borat, der kasachische Fernsehjournalist. Borat war schon der Hammer, dieses Niveau bleibt von Der Spion und sein Bruder natürlich unerreicht, aber die Witze funktionieren ähnlich, da sie gaaanz tief unter der Gürtellinie angelegt sind. Fäkalhumor vom Feinsten. Ich hatte am nächsten Morgen tatsächlich Bauchmuskelkater vom Lachen. Einfach nur herrlich.

Die Handlung ist dabei nebensächlich und völlig an den Haaren herbeigezogen. Zwei Brüder werden im Kindesalter getrennt. Während der eine in bürgerlichen Verhältnissen aufwächst und Karriere macht, verbringt der andere sein Leben in Armut und entwickelt sich zum liebenswerten Volltrottel. Dabei muss man dem 2016 produzierten Film merkwürdigerweise vorherseherische Kräfte attestieren, denn es geht – ohne Witz – um einen Virus, der auf der ganzen Welt eine ganz bestimmte Menschenart ausrotten soll: den Proleten (der sich den Impfstoff nicht leisten kann). Autsch.

Stranger Things

Mein Mann, der olle Film-Nerd, trifft bei uns stets die Vorauswahl für Filme und Serien (bis auf „Systemsprenger“ – den habe ich mir selbst herausgesucht, doch schon in den ersten Minuten sind alle anderen Familienmitglieder schreiend davongerannt, so dass ich den Film alleine weitergucken musste, pah, diese Kulturbanausen).

Jedenfalls wurde mir schnell klar, warum er sich für Stranger Things entschieden hat: Die Serie ist eine einzige Hommage an die frühen 80er Jahre (Frisuren, Make-up, Mode, Synthiepop) und mein Mann liebt die 80ies über alles.

Was ich an der Mystery-Serie über das Eindringen einer neuen Dimension (die Schattenwelt) in unsere Welt schätze, sind vor allem ihre Charaktere. So wird der Fall über das Verschwinden eines Jungen von dessen Freunden gelöst, also von Kindern. Auch die erwachsenen Darsteller machen ihre Sache gut, allen voran Winona Ryder als alleinerziehende Mutter, die sich nie hinters Licht führen lässt, obwohl sie „nur“ eine einfache Verkäuferin ist. Zusammen mit Polizist Jim Hopper geht sie auf Spurensuche, was wirklich spannend ist, da die Serie so manchen Schockmoment bereithält.

Mit „The Man in the High Castle“ kann die Serie allerdings nicht mithalten, finde ich, aber das ist bekanntlich Geschmackssache…

Auslöschung & Die Farbe aus dem All

Kommen wir zu zwei Filmen, die ich auf Grund ihrer gemeinsamen Thematik zusammenfasse und miteinander vergleiche. Beide Sci-Fi-Horror-Filme hebeln jedwede uns bekannte Logik aus, sind dabei aber so faszinierend, dass sie eine regelrechte Sogwirkung entfalten und den Zuschauer immer weiter in ihr (alb-)traumhaftes Geschehen hineinziehen.

Eine außerirdische Substanz kontaminiert sowohl in Auslöschung als auch in Die Farbe aus dem All einen bestimmten Bereich auf der Erde. Dort löst sie Mutationen bei Flora und Fauna aus, verändert aber auch die dort lebenden Menschen. Letztere drehen nach und nach durch.

Auslöschung betrachtet den Vorfall aus wissenschaftlicher Perspektive. Dabei soll u.a. Natalie Portman als Biologin das verseuchte Areal untersuchen und dem Grund für die Kontamination auf die Spur kommen.

In Die Farbe aus dem All hingegen wird Nicholas Cage als Familienvater vom Meteoriteneinschlag in seinem Garten völlig überrumpelt und sieht sich der Alien-Substanz schutzlos ausgeliefert.

Beide Filme sind extrem beängstigend und verstörend, obwohl sie gänzlich ohne die klassischen (feindlich gesinnten) Alien-Monster auskommen, die man sonst aus Sci-Fi-Filmen kennt. Dabei setzt der auf einer Kurzgeschichte von H. P. Lovecraft beruhende Die Farbe aus dem All vor allem auf ekelerregende Horror-Schock-Momente, während Auslöschung subtiler daherkommt und durch seine surreale Bildsprache überzeugt.

Da die Produzenten von Auslöschung die Umsetzung des Films als zu intellektuell empfanden, wurde der Film nicht – wie geplant – in die Kinos gebracht, sondern gleich an Netflix verkauft. Tatsächlich ist der Film ziemlich philosophisch und lässt viel Interpretationsspielraum. Ich finde jedoch, das tut dem Film keinen Abbruch, sondern – im Gegenteil – macht ihn gerade denkwürdig.


Falls ihr Zerstreuung sucht, werdet ihr sie anhand der o.g. Filme und Serien garantiert finden! Ich begebe mich derweil unbeirrt auf die Suche nach einem überzeugenden Roman, auch wenn ich momentan kaum Muße zum Lesen finde…

MM