Vom freien Wildbeuter, der seinen Jagdgründen hinterherzog und nie länger als ein halbes Jahr an einem Ort ausharrte, zum domestizierten Menschen. So beschreibt es Yuval Noah Harari in seinem Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit„, das mir schon auf den ersten Seiten einige Aha-Momente bescherte. Vor allem aber beruhigte es mich, denn in letzter Zeit registriere ich immer mehr Spleens an mir, seit Neuestem zum Beispiel den „Ich-fühle-mich-nirgends-richtig-wohl- und-will-deshalb-ständig-umziehen-Spleen“.

Wenigstens mein starkes Bedürfnis, den Wohnort zu wechseln, scheint kein Ausdruck von Verrücktheit zu sein, sondern einfach auf mein prähistorisches Erbe zurückzugehen. Mehr als ein Jahr finde ich es nirgends schön. Dann will ich wieder weg und seien es auch nur wenige Kilometer. Mittlerweile wohnen wir seit zweieinhalb Jahren im ländlichen Brandenburg und ich zähle die Tage… Zu dumm, dass man erst nach zehn Jahren verlustfrei aus dem Immobilienkredit aussteigen kann.

Umzüge sind anstrengend, klar, aber sie geben mir auch das Gefühl, jedes Mal ein neues Leben beginnen zu können. Daran wächst der eigene Erfahrungshorizont und mit ihm das Ich. Ach, wie schön es doch ist, alle alten Zelte abzubrechen!

Meine Oma war übrigens genauso. Alle paar Jahre ist sie in eine andere Wohnung gezogen, ohne ihren eigentlichen Wohnort zu verlassen. Sie bewegte sich stets in einem Umkreis von etwa 20 Kilometern. Als Kind konnte ich das nicht so recht nachvollziehen. Sie hat es vor uns auch nie erklärt. Es war einfach so.

Ich bin also genetisch vorbelastet.

Nun denn, noch siebeneinhalb Jahre.

MM


Da in der kalten Jahreszeit gartentechnisch nicht viel läuft, etabliere ich hiermit eine neue Rubrik, die ich in der Kategorie „Überwintern“ zusammenfasse. Immer wenn ich spannende Artikel, Titel oder Bücher lese, werde ich dies auf dem Blog kundtun. Selbstverständlich in unregelmäßigen Abständen. Schließlich weiß man nie, wann man solche Schätze birgt.