Beeindruckt bin ich immer dann, wenn andere etwas beherrschen, das ich selbst nicht kann. Aus diesem Grunde war ich nicht nur fasziniert von dem folgenden Video, sondern habe dem damals 18/19-Jährigen Erik Grankvist auch voller Bewunderung dabei zugesehen, wie er seine eigene Hütte im schwedischen Forst baut. Dass sein Projekt viel Zeit in Anspruch genommen hat, merkt man am Wechsel der Jahreszeiten.

Das Ganze ist glücklicherweise kein DIY-Tutorial, in dem suggeriert wird, dass „praktisch jeder“ so etwas könne, wenn man nur die Schritt-für-Schritt-Anleitung befolgt…

Auf beruhigende Weise spannend

Nein, der etwa zweistündige Film lässt den Zuschauer einfach einem kleinen Wunder beiwohnen: der Entstehung eines Hauses in Handarbeit. Dabei kommt das Werk völlig ohne Worte oder Musik aus – und wird trotzdem nicht langweilig. Im Vordergrund steht zwar der Hausbau, doch Grankvist lockert den Film immer wieder mit Natursequenzen auf, Tier- und Landschaftsaufnahmen. Auf mich hatte das fast schon eine meditative Wirkung.

Was mich fast noch mehr beeindruckt hat als sein handwerkliches Geschick, ist die Tatsache, dass Grankvist über Monate völlig auf sich allein gestellt ist. Diese Einsamkeit auszuhalten, stelle ich mir wahnsinnig schwer vor. Immerhin legt er sich im Laufe des Films einen Hund zu.

Beim Zusehen gelangte ich zu der Überzeugung, dass Grankvist bestimmt eine Ausbildung zum Zimmermann gemacht hat und nun zeigen will, was er gelernt hat. Doch falsch gedacht: Er hat gerade erst die Schule abgeschlossen, als es ihn in den Wald (der seinen Eltern gehört…) zieht. Sein Wissen hat er einigen YouTube-Videos zu verdanken sowie seinen Großeltern, die ihm ebenfalls Fachwissen vermittelt haben. Ansonsten erfolgte der Hausbau Learning by Doing. So beschreibt er es jedenfalls in einem Interview.

Beneidenswert ist darüber hinaus, dass er auch noch einen wunderbaren Film daraus gemacht hat – sowohl was die Bildsprache betrifft als auch Ton und Schnitt. So talentiert wäre ich auch gern.


Tja, einige brechen nach dem Abi zur Weltreise auf, andere studieren, wieder andere legen die Beine hoch – und einer nimmt sich zwei Jahre Zeit, um ganz allein ein Haus zu bauen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Grankvist dabei mehr gelernt hat als in seiner gesamten Schullaufbahn.

MM