titelte schon lange vor dem tragischen Unfall in Berlin die Zeitung „der Freitag“ – und darunter: „Status, Phallus, Klimakiller: SUV’s boomen“.

Die Kritik am Stadtpanzer gab’s also schon früher, die Massen erreicht sie allerdings erst jetzt. Nach dem Schock. Die Tragödie hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Und, ja, das freut mich: Jetzt muss ich nicht mehr hinter vorgehaltener Hand SUV-Bashing betreiben, sondern kann ganz unverhohlen kritisch sein.

Aber was bringt das, wenn die Mehrheit immer noch SUV’s kauft und auch in der Automobilindustrie kein Umdenken stattfindet?:

Es gibt ja Kleinwagen, aber das Gros der Kunden kauft eben Stadtförsterautos, also SUV, die in Sachen Energieeffizienz eher mangelhaft sind. Obwohl also ein breites Angebot vorhanden ist, trifft der Kunde einseitige Entscheidungen. Das ist die Macht des Kunden, und die wird oft unterschätzt. Die Kunden, also wir, sind oft zu selbstgefällig. Auch als Käufer hat man eine Verantwortung, die man nicht einfach wegschieben kann.

Streetscooter-Gründer Achim Kampker im Spiegel-interview

Leider sind nicht nur SUV’s große schwere Spritfresser. Auch Klein- und Kompaktklassewagen haben in den letzten Jahren erheblich an Umfang zugenommen: „Viele Modellreihen wurden im Laufe der Baureihen immer größer, schwerer und stärker motorisiert, z. B. VW Golf I 3705 mm lang, 1610 mm breit, 750–875 kg Leergewicht, VW Golf VII 4255–4586 mm lang, 1799 mm breit, 1205–1615 kg.“ Nachzulesen auf Wikepedia.

Dass das Problem gelöst ist, wenn man nur noch auf E-Fahrzeuge setzt, bezweifle ich indes stark. Überzeugender wäre ein echter Bruch ganz im Sinne des Wortes „Mobilitätswende“, das gerade in aller Munde ist. Lasst es uns doch als vom Auto abwenden interpretieren oder zumindest von dessen Besitz. -Zum Beispiel in Form von Sharing-Modellen: E-Bike-Sharing inklusive Ausbau des Radwegenetzes, Carsharing (und zwar flächendeckend!), Rufbusse und/oder Uber. Gleichzeitig könnte man die KFZ-Steuer oder die Spritpreise ins Unermessliche erhöhen, um den Besitz eines Autos verdammt unattraktiv zu machen.

Die Unsummen, die man derzeit in den Ausbau und Erhalt des Straßennetzes steckt, könnte man in die Erforschung alternativer Antriebe investieren. Oder in den Ausbau des Schienennetzes. Man könnte jedem Erwachsenen ein Pedelec schenken, was den Staat weniger kosten würde als die Prämie für den Kauf eines Stromers (die Bundesregierung subventioniert den Kauf mit bis zu 4000 Euro pro Auto). Und so weiter und so fort.

Aber das wird natürlich nicht geschehen in einem Land, dessen Regierung der Automobilbranche derart in den Arsch kriecht. Stichwort: Arbeitsplätze.

Stattdessen wird die Ladeinfrastruktur für E-Autos ausgebaut, damit weiterhin SUV’s auf den Straßen fahren können – nur eben mit elektrischem Antrieb. Denn eines haben Politiker und Lobbyisten erkannt: Dass der Verbraucher seiner Verantwortung bewusst wird und zukunftsorientierte Kaufentscheidungen trifft, ist utopisch.

MM