…etwas Konsumkritisches, gähn.

Ach Quatsch, das Zitat hat eigentlich gar nichts mit Weihnachten zu tun. Dass Weihnachten & Konsum eine unauflösbare Einheit bilden, habe ich längst akzeptiert. Dagegen kommst du eh nicht an.

Nein, der oben zitierte Text stammt aus einem Song (Wings) von Macklemore & Ryan Lewis, der mittlerweile auch schon in die Jahre gekommen ist. Damals war er sogar einigermaßen erfolgreich.

Was mich dazu bewogen hat, den Text noch einmal hervorzukramen, ist eher einer Frage geschuldet: Warum ändert sich nichts?

Nachdem wir nun schon seit Jahrzehnten darüber debattieren, dass uns Marken wie Nike eben doch keine Flügel verleihen, wundert es mich, dass sie immer noch solchen Erfolg haben. Bei jeder neuen Generation.

War es zum Beispiel meinem Sohn bis vor einem Jahr noch völlig egal, was er auf der Haut trug – Hauptsache, es bedeckte seine Scham – hat er sich nun ins völlige Gegenteil verkehrt: Er ist zum Fashion Victim mutiert. Mittlerweile hüllt er sich nur noch in die Ware namhafter Sportartikelhersteller, die er sich von seinem Taschengeld kauft. Und damit reiht er sich ein in eine lange Tradition: Die kleinen Jungs damals in meiner Klasse waren auch total scharf auf Adidas, Nike und Co.

Neulich ist er sogar bis nach Berlin gefahren, damit er sich dort in einem Footlocker-Store ein Paar Nikes kaufen konnte. Nicht irgendein Paar, es musste natürlich eines für 200 Euro sein. 200 Euro für ein Produkt, das in der Herstellung keine 20 Euro kostet. Bei der Vorstellung wird mir ganz mulmig.

Dafür war Sohnemann umso glücklicher. Bis ich ihm sein kleines Glück vermieste, indem ich ihm zu Hause folgenden Text vorlas:

Wo sich ein Kind einreiht und wie weit es sich anpasst, hängt von seinen bisherigen Erfahrungen mit Gruppen ab. Hat das Kind eine Führungsstellung oder ist es ein Mitläufer? Je nach seinen Stärken und Schwächen wird es sich ausrichten. Ein Kind mit Stärken kann es sich leisten, sich dem Gruppendruck bewusst zu widersetzen. Sein Markenzeichen ist gerade das Anderssein. Schwächere Kinder neigen hingegen zur Anpassung an die Gruppe, indem sie zum Beispiel die „richtigen“ Kleider tragen.

Remo h. Largo: Schülerjahre (Buch)

Was für ein Schlag ins Gesicht eines Markenfetischisten: Nur die Schwachen brüsten sich mit Logos/fremden Federn, ha!

Ach jaaa, Mütter können so gemein sein. Doch die Gemeinheit zielt ja nur auf Gutes ab, in dem Falle: Das Geld zu sparen, statt es ohnehin schon superreichen Konzernen in den Schlund zu werfen. Und damit meine ich nicht nur Modefirmen. Ich habe generell ’ne Aversion gegen alles, was verspricht, dich hip & cool zu machen.

Denn kein Produkt der Welt schafft es, eine Persönlichkeit aufzuwerten. Niemals. Punkt. Aus. Ende.


Es hat übrigens gefruchtet: Morgen fahren wir noch einmal nach Berlin. Er will seine Nikes umtauschen. Gegen ein günstigeres Paar Turnschuhe.


Okay, das war jetzt gelogen. Meine persönliche Wunschvorstellung. Seufz.

See, it consumed my thoughts…

MM