Es wurde also Zeit, sich auf die Rückkehr nach Hause einzustellen. Wir freuten uns sogar ein bisschen: vor allem auf unser Haus und unseren Garten. Als wir am überfüllten Flughafen ankamen und auf die ersten miesgelaunten Deutschen trafen, dachte ich zum Zeitvertreib darüber nach, was ich an Deutschland überhaupt liebe und schätze. Ich wollte eine Liste im Kopf zusammenstellen, die mir die Heimkehr versüßen sollte. Doch bis auf das Übliche (Familie, Freunde) fiel mir nichts ein.

Wie auch immer, ein paar Stunden später sind wir in Berlin gelandet. Oh, Berlin natürlich! –Wie konnte ich das vergessen? –Doch noch ein liebenswertes Ding an Deutschland. Wobei ich Berlin nicht sonderlich typisch für Deutschland halte. Berlin erschien mir schon immer eher wie eine Oase inmitten der deutschen Wüste. Nun ja, aber auch die Oase ist Teil der Wüste. Nicht wahr?

Die Heimkehr: Von Mücken empfangen

Pfützen auf der Landebahn ließen darauf schließen, dass es zwischenzeitlich feucht gewesen ist. Ich begrüßte die Wetterlage zunächst. Schließlich hatte ich meine Nachbarn diesmal nicht gebeten, meine Blumen zu gießen. (Tatsächlich geht es unseren Gartenpflanzen fantastisch. Sie grünen und blühen, als hätte es in Fichtenwalde täglich geregnet. Vermutlich hat es das auch.)

Später verfluchte ich die Feuchtigkeit wieder. Mücken ohne Ende. Ohne entsprechendes Spray traute ich mich gar nicht mehr in den Garten.

Oh weh, welch böse Überraschung!

Während unserer Abwesenheit sind nur zwei Bäume eingegangen, komischerweise zwei sehr robuste: eine Robinie und ein Ahorn. Ihre braunen vertrockneten Blätter hingen müde vom ebenfalls trockenen Stamm herab. Sie sind wohl vergiftet worden, als wir verreist waren.

Die Frau des Planschers hat uns mehrmals gebeten, die (noch jungen, aber nahe an der Grundstückgrenze wachsenden) Bäume zu entfernen. Wir sind nie auf ihren Wunsch eingegangen, da sie uns nicht störten. Nun hat sie sich dem Thema wohl selbst gewidmet.

Mich erschreckte ihre Rigorosität. Immerhin muss sie dafür auf unser Grundstück gekommen sein. Ich kenne mich rechtlich nicht sonderlich gut aus, aber nennt man das nicht Hausfriedensbruch? Immerhin haben wir ihr nie die Erlaubnis erteilt, unser Grundstück zu betreten, geschweige denn, dort ein Pflanzengift auszubringen. Die schöne Urlaubsstimmung, spätestens jetzt war sie vorbei.

Wir werden gehasst

Leider wohnt der Planscher selbst nicht mehr hier. Er hat seine Patchwork-Familie vor ein paar Monaten verlassen und ist zurück in seine alte Heimat Sachsen-Anhalt gezogen. Die Liebe ist weg und mit ihr der Planscher. Ärgerlich und bedauerlich zugleich, denn er hatte stets deeskalierend gewirkt. Nun ist seine Ex außer Rand und Band. Vermutlich sieht sie sich von Feinden umzingelt. Und wir sind ihre verhasstesten.

Nach Gründen brauchen wir gar nicht zu suchen. Es gibt keine. Wer von Hass zerfressen ist, weil er das eigene Leben für unbefriedigend hält, wähnt sich ohnehin ständig benachteiligt und tendiert zu irrationalem Verhalten. Die Frage lautet nun, wie wir auf ihre Aggression reagieren.

Schnell wurde uns klar, dass ein neuer Zaun wohl die einfachste und sauberste Lösung ist. Wir wollten keine direkte Konfrontation mit der alleinerziehenden Mutter. Früher lernte ich zwar, dass man stets alles ansprechen soll und „Worte die einzige Art der Konfliktlösung darstellen“. Doch im Laufe des Lebens habe ich (leider) gelernt, dass man nicht mit allen Menschen reden kann. Eigentlich nur mit denen, die bereit sind zu verstehen. Und das sind die wenigsten.

Ein Zaun also.

Erst dachten wir an den günstigsten, einen Maschendrahtzaun. Wenig später stiegen wir um auf einen Sichtschutzzaun aus Holz. Der kostet zwar ein kleines Vermögen (aus unserer Sicht), aber er bietet den gewaltigen Vorteil, dass wir unsere Nachbarin tatsächlich nicht mehr sehen müssen, wenn wir im Garten sind. Dass sie einen knapp zwei Meter hohen Zaun überwindet, um unsere Pflanzen zu töten, ist dann auch eher unwahrscheinlich. Er gibt uns also auch noch ein kleines bisschen Sicherheit.

Tja, das mulmige Gefühl, aus unerfindlichen Gründen gehasst zu werden, bleibt dennoch. Es heißt immer, man solle sich nicht drum scheren, was andere von einem halten. Und doch wünscht man sich nichts sehnlicher, als von allen gemocht zu werden, oder? Das Bedürfnis nach Harmonie ist beinahe übermächtig.

Ich bewundere Menschen, die stets besonders freundlich und hilfsbereit jenen gegenüber sind, die sie nicht ausstehen können. So machen sie sich im Nullkommanichts den Feind zu Freund. Es könnte so einfach sein!

Ich aber will nur meine Ruhe haben, nichts weiter. Wenn ich Menschen nicht mag, gehe ich ihnen aus dem Weg. Wenn ich ihnen nicht aus dem Weg gehen kann, weil sie nebenan wohnen, will ich wenigstens das Gefühl haben, sie seien gar nicht da…

Es grüßt euch
eure MISS MINZE

P.S.: Ich habe zwei anderen Nachbarn davon erzählt, dass unsere Bäume vergiftet worden sind. Die Reaktion fiel verhalten aus. Beileidsbekundungen, dass die beiden Bäume unwiderruflich tot sind, gab es gar nicht. Bei einem musste ich mich sogar rechtfertigen, weshalb ich  meine Bäume nicht selbst „wegmache“. So, als seien sie Unkraut.

Nun ja, man muss nicht immer einer Meinung sein, schon gar nicht mit seinen Nachbarn. Letztlich sind sie nur Menschen, die zufällig neben dir wohnen. Du hast sie dir nicht ausgesucht, sie ebenso wenig dich.

Als wir noch zur Miete wohnten, sind wir unseren Nachbarn so gut wie nie begegnet. Teils wussten wir gar nicht so richtig, wer nebenan wohnt oder oben drüber. Wir hatten rein gar nichts miteinander zu tun.

Ich verstehe nicht, weshalb die Anonymität der Großstadt so vielen ein Graus ist. Mir graut viel mehr vorm Pseudo-Miteinander auf dem Lande, dessen Triebfeder nur zu oft die Neugierde ist, die – einmal kurz gestillt – in Neid übergeht.

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