Kaum neigt sich der Sommer dem Ende entgegen muss man wieder eine Spinneninvasion im Haus befürchten. Zwar werde ich auch im restlichen Jahr mit genügend Spinnen konfrontiert, im Herbst ist es jedoch besonders schlimm. Denn dann kommen die richtig großen, schwarzen, hässlichen Biester, die den ach so harmlosen Namen „Winkelspinne“ tragen.

Da ich jedesmal vor Ekel fast in Ohnmacht falle, wenn ich sie sehe, habe ich es noch nie geschafft, eine zu fotografieren, aber auf Wikipedia sind reichlich Bilder, die jedem Phobiker die Haare zu Berge stehen lassen. Eine dieser fetten schwarzen Spinnen hat sich heute Morgen mal wieder unter unserer Treppe versteckt. Mein Mann musste sie mit dem Staubsauger „einfangen“. Ich weiß nicht, wie viele Winkelspinnen in den vergangenen zwei Jahren unsere Staubsaugerbeutel füllten. Offenbar nicht genug. Schließlich kommen sie immer wieder.

Anfangs hat er sie sogar noch mit einem Glas eingefangen und – tierlieb wie er ist – draußen freigelassen. Winkelspinnen fühlen sich in freier Natur jedoch nicht sonderlich wohl. Deshalb kamen sie postwendend wieder ins Haus gekrabbelt. Hier ist es schließlich warm und trocken. Mittlerweile ist jedenfalls auch mein Mann zum Töten übergegangen. Anders kriegt man das Problem nicht in den Griff.

Ich weiß noch, wie wir damals unseren Berliner Freunden erklärten, dass wir uns in Brandenburg ein Haus gekauft hatten und nun umziehen würden. Während uns alle zu diesem Schritt beglückwünschten, meldete sich nur eine einzige negative Stimme. Sie gehörte ausgerechnet einer jungen Frau, die selbst in Brandenburg geboren und aufgewachsen war und erst seit wenigen Jahren in Berlin lebte. Sie war eine echte Freundin geworden und wie echte Freundinnen so sind, sagen sie dir hin und wieder die unschöne Wahrheit: „Um Gottes Willen! Seid ihr euch sicher, dass ihr das tun wollt??? Dort gibt es Spinnen, so groß und hässlich, dass man vor Schreck erstarrt. Die werden in euer Haus kommen, so dass ihr euch darin nie wieder sicher fühlen könnt!!!“

Recht hatte sie. Nicht dass es mich überrascht hätte. Ich kannte diese Spinnen schon aus Polen, wo sie von meinem Schwiegervater liebevoll „Brunek“ getauft wurden. Aber ich habe nicht mit derart vielen gerechnet. Sie scheinen immer schon vor der Tür zu lauern. Kaum machst du sie auf, zack, rennen sie blitzschnell rein und verstecken sich unter der Garderobe. Glaubt mir, ich überprüfe täglich meine Schuhe, ob sich darin vielleicht ein Brunek gemütlich eingerichtet hat. (Im Winter habe ich deshalb schon frühmorgens wahnsinnig viel Adrenalin im Blut, weil ich mit meiner Hand in den Stiefelschaft greifen muss…)

Erst dachte ich noch, okay, wenigstens verstecken sich die Viecher nur in dunklen Ecken. Dort betätige ich mich ohnehin seltenst. Doch letzten Herbst beobachtete ich tatsächlich, wie sie auch die Wände hochkletterten. Ich wäre fast gestorben vor Ekel. Wieder musste mein Mann mit dem Staubsauger anrücken. Und jedes Mal hörte ich ihn rufen: „Wow, was für ein riesiges Exemplar!“ Einen Tag später: „Wow, der ist ja noch größer!!“ Und noch einen Tag später: „Oh mein Gott!!!“

Einmal übernachtete meine Schwester in unserem Gästezimmer, als sie leise Trippelschritte auf dem Fliesenboden vernahm. Sie schaltete das Licht an und traute ihren Augen kaum: Vor ihrer Matratze krabbelte eine Winkelspinnen hin und her. In Panik schrie sie um Hilfe. Wieder kam der Staubsauger zum Einsatz. Meine Schwester fand trotzdem nicht mehr in den Schlaf.

Spinnen mögen nützlich sein. Im Garten lasse ich sie auch leben. Das ist schließlich ihr Lebensraum. Aber was suchen sie in meinem Haus? -Das Nahrungsangebot für Winkelspinnen dürfte hier überschaubar sein. Ehrlich gesagt, empfinde ich es als eine Frechheit, dass sie beinahe täglich Hausfriedensbruch begehen.

Weshalb die Winkelspinnen gerade im Herbst so aktiv sind, hat übrigens etwas mit der Fortpflanzung zu tun: Sie gehen auf Partnersuche. Immerhin findet diese i.d.R. abends und in der Nacht statt.

MM