Unkräuter mit Heilwirkung

2019 scheint das Jahr der beiden niedrigen Pflänzchen Vogelmiere und Ehrenpreis zu sein. Vor ein paar Monaten kannte ich sie noch gar nicht und nun sehe ich sie überall, vor allem aber in meinem Kräuterbeet. Besonders die mit kleinen weißen Blüten besetzte Vogelmiere wuchert so schnell, dass ich von meinen anderen Kräutern kaum noch etwas sehe. Und nun blüht auch der unscheinbare Ehrenpreis mit seinen stecknadelkopfgroßen, himmelblauen Blüten – wie schön!

Im Kräuterbeet stehen sie auch ganz richtig, denn sowohl Ehrenpreis als auch Vogelmiere sind essbar. Jedenfalls habe ich das gelesen. Da es mich unheimlich viel Überwindung kostet, Unkraut zu mir zu nehmen – empfohlen wird es als Salat oder Pesto – habe ich es mir nur bei der Vogelmiere getraut. Es schmeckte okay.

Pflegeleichter geht es kaum

Immerhin habe ich mich nicht vergiftet. Ich habe nicht gerade viel Vertrauen in Grünzeug, das es nicht im Supermarkt zu kaufen gibt. Es war sicherlich nicht zuträglich, Filme wie Into the Wild zu gucken, in denen der Protagonist sich von Wildkräutern ernährt und letztlich daran stirbt (oops, da habe ich wohl das Ende verraten).

Vogelmiere mit geöffneter Blüte (schließt sie abends wieder)

Nun ja, aber zumindest die Vogelmiere soll sogar gesund sein. Auch dem Ehrenpreis wird so manche Heilwirkung nachgesagt. Wobei es „den“ Ehrenpreis gar nicht gibt, sondern unzählige Arten und Ausprägungen. Ich widme mich dem Gamander Ehrenpreis, weil er in meinem Garten wächst.

Doch selbst wenn man die beiden Pflanzen nicht essen möchte, erweisen sie sich im Garten doch als nützlich. Ich betrachte sie als idealen Bodendecker. Schließlich wachsen Ehrenpreis und Vogelmiere von ganz allein (zumindest im Schatten und Halbschatten, die volle Sonne meiden sie eher) und verbreiten sich in Windeseile. So heißt es in einem Artikel von Brigitte Nolting über die Vogelmiere:

Die Vogelmiere verbreitet sich sehr schnell. Sie bringt im Jahr bis zu sechs Generationen hervor und produziert pro Generation 10.000 bis 20.000 Samen. Die Samen bleiben im Boden ca. 60 Jahre keimfähig.

Brigitte Nolting

Obwohl es sich bei der Vogelmiere nur um eine einjähriges Kraut handelt, sorgt sie also dafür, dass sie trotzdem nie vergeht.
Darüber hinaus schützt die Vogelmiere den Boden vorm Austrocknen, da sie sich direkt darüberlegt.

Keine Bieneweide, aber immerhin Vogelmagnet

ehrenpreis zum essen
Kleine blaue Blüten kennzeichnen den Ehrenpreis. Ebenfalls essbar ist die daneben wachsende Taubnessel.

Eine derartige Wuchsfreudigkeit wird für anspruchsvollere Pflanzen natürlich zum Problem. Sie können sich nicht mehr behaupten und müssen um Licht und Nährstoffe fürchten. Liebhaber pflegeleichter Gärten dürften sich jedoch freuen: es sind keine weiteren Stauden mehr nötig. Zumal sowohl Vogelmiere als auch Ehrenpreis sehr ausdauernd sind: Sie wachsen und blühen fast das ganze Jahr über. Dabei braucht man sie weder zu düngen noch zusätzlich zu gießen.

Nützlich sind sie ebenfalls: Die Samen der Vogelmiere gehören zur Lieblingsspeise der Vögel. Daher der Name Vogelmiere.


Steckbrief Vogelmiere (Stellaria media)

  • aus der Familie der Nelkengewächse
  • Blütenfarbe: weiß
  • Inhaltsstoffe (u.a.): Vitamin A, B und C, Kieselsäure, Selen, Eisen
  • Hilft bei: Husten, Rheuma, Appetitlosigkeit, Hautentzündungen
  • Alle Pflanzenteile der Vogelmiere können sowohl roh als auch gekocht gegessen werden. Sie hat einen milden Geschmack.
  • Standortbedingungen: die Vogelmiere vevorzugt humus- und nährstoffreiche Böden sowohl im Schatten anderer Pflanzen als auch auf brachliegenden sonnigen Flächen.

Steckbrief Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)

  • aus der Familie der Wegerichgewächse
  • Blütenfarbe: blau
  • Inhaltsstoffe (u.a.): Bitterstoffe, Gerbstoffe, Saponine
  • Hilft bei: Husten, Blasen- und Nierenleiden, Frühjahrsmüdigkeit
  • Der Ehrenpreis wird auch als essbare Dekoration (bspw. auf Suppen und Süßspeisen) verwendet, da er so hübsche Blüten hat. Geschmacklich ist er weniger attraktiv, da er ziemlich bitter schmeckt.
  • Standortbedingungen: der Ehrenpreis wächst vornehmlich im (Halb-)Schatten an Waldrändern oder Heiden auf nährstoffreichen Böden.

MM