Wir haben uns dagegen entschieden, unseren Kindern eigene Fernsehapparate ins Kinderzimmer zu stellen, und so läuft der Fernseher eben 24/7 in der Wohnküche. Dabei ist das Ding so laut eingestellt, dass man dem Programm nicht entkommen kann, egal wo man sich gerade befindet. Eigentlich läuft immer Rick & Morty. Oder Family Guy.

Ich hasse Family Guy. Zumindest habe ich diese Serie mal gehasst. Mittlerweile habe ich mich an sie gewöhnt. Erstaunlich, wie gut das mit der Abstumpfung funktioniert. Am Anfang habe ich im Strahl gekotzt, wenn ich nur das Intro gehört habe – und nun lache ich über die Gags der Serie.

Einen dieser Gags finde ich sogar so gut, dass ich ihn hier zitieren möchte. Er stammt aus der Folge „Unser Trottel Brian“, in der es darum geht, dass der intelligenteste Charakter der Serie, der Hund Brian, durch einen Hirntumor verdummt. Eine Operation könnte ihn retten, doch er verweigert sich, weil es ihm zum ersten Mal im Leben so richtig gut geht. Er ist sorgenfrei und hat täglich eine Menge Spaß.

Seinem besten Freund Stewie (das Baby der Familie) missfällt der neue Brian allerdings. Um seinen alten Freund zurückzugewinnen, organisiert er gegen dessen Willen die Hirn-OP, die Brian zu dem macht, was er vorher war: einer gescheiterten Existenz, die ihren Kummer in Alkohol ertränkt, jedoch (leider) klug und reflektiert genug ist, um dies zu erkennen. Als Brian aus dem Koma erwacht, stellt er fest:

Thanks, Stewie. You never gave up on me. You knew that wasn’t really me. Yeah, well, it’s no big I mean, I was having fun, making new friends, getting laid all the time, sleeping like a rock, but you made the call. You unilaterally decided I was better off a bitter alcoholic failure who can only hang out with a baby.

Quelle: springfieldspringfield.co.uk

Ich weiß nicht, weshalb mich diese Szene so berührt hat. Vermutlich, weil ich mir auch hin und wieder wünsche, einfach dumm und glücklich zu sein. So wie Spongebob. Spongebob-glücklich.

Vielleicht liegt die Tragödie auch nicht im Verlust des Glücks, sondern in der schonungslosen Selbsterkenntnis: Brian sieht der Wahrheit ins Gesicht, spricht sie auch noch aus und fügt sich ohne Bedauern in sein Schicksal.

Das mitanzusehen, ist unheimlich witzig, zugleich jedoch furchtbar traurig. Der Hund ist schließlich nicht der einzige Versager in der Serie. Er ist praktisch umgeben von Vollidioten. Doch Brian ist der einzige, der sich selbst entlarvt. Vielleicht liegt darin die Crux seiner Intelligenz. Auch der Dumme mag sich sorgen, ängstigen und unglücklich sein. Aber das ist banal verglichen mit der Resignation eines Brian, der einsehen muss, dass er ein Nichts ist.