Die Müllabfuhr fährt gemächlich durch Fichtenwalde und sammelt die gelben Säcke ein, die die meisten Einwohner geistetsgegenwärtig noch am Vorabend an den Straßenrand gelegt haben. Zwar stinkt es noch stark nach verbranntem Holz, doch die dicken Rauchschwanden von gestern trüben nicht mehr den blauen Himmel.

In der Kita werde ich trotzdem in wohlbekannter Brandenburger Manier angeherrscht: Weshalb ich meine Tochter zur Kita bringe, wo doch  eine Notbetreuung eingerichtet wurde??? Ob ich denn kein Radio höre?
„Das hat doch Entwarnung gegeben“, sage ich kleinlaut. Es wird beflissentlich überhört.
Unverantwortlich sei das, jawohl.
In solchen Momenten wird mir wieder klar, was meine Arbeit als Selbstständige in dieser Region bedeutet: nichts. Nur die Kinder der fleißigen Angestellten sind jetzt noch willkommen. Als ich mich umblicke, wird mir außerdem klar, weshalb. Nur ein Bruchteil der Erzieherinnen hat es zur Arbeit geschafft. Rund um Fichtenwalde sind alle Straßen gesperrt. Nur Anwohner werden noch durchgelassen. Die Autobahn ist sowieso zu. Als Autofahrer braucht man gerade Nerven aus Stahl.
Eine Mutter pflichtet der Erzieherin bei: Ja, schrecklich sei das und wenn der Wind erst drehe, dann sei die Katastrophe vorprogrammiert!!! Ihr Notfallkoffer stehe seit gestern gepackt im Flur und warte nur auf die bevorstehende Flucht.
Auf mich wartet lediglich das Homeoffice.

Ich biete Töchterlein an, mit mir zu kommen, doch sie lehnt ab – sehr zum Ärger ihrer Erzieherin. Am liebsten würde die auch gern wieder heimfahren, doch als Angestellte hat sie das Nachsehen.

Das Feuer stellt keine Bedrohung mehr dar, doch zur Normalität ist Fichtenwalde noch nicht zurückgekehrt.

MM