Nach der Wahl wird viel über das Wahlergebnis im Osten lamentiert. Ich lebe im Osten, also möchte ich mich hiermit dazu äußern. Wie schön, dass ich einen Blog habe, auf dem ich das machen kann 😉

Zunächst zu meinem Wohnort: Knapp 3000 Einwohner leben hier, einige davon schon seit jeher, viele andere sind zugezogen aus allen Ecken Deutschlands. In den Medien ist stets die Rede vom Wegzug junger, gebildeter Ossis in den Westen Deutschlands. Dass auch Wessis in den Osten ziehen, davon redet irgendwie keiner. Dabei ist das schon seit Jahren Gang und Gäbe. Nicht nur in Brandenburg, sondern überall in Ostdeutschland.

Lassen wir uns also gar nicht auf den Ost-West-Tenor ein. Wir leben in Deutschland. Punkt.

In unserem Wahlkreis haben knapp 13% die AfD gewählt, in Brandenburg insgesamt waren es 19%.

Es heißt, die AfD habe den Abgehängten eine Stimme gegeben. Ich sehe hier keine Abgehängten. Ich sehe hier nur dicke Autos und große Häuser und Yachten auf den Seen. Kein Witz. Wenn mein Schwager aus Hessen zu Besuch kommt, wundert er sich immer über die vielen dicken Autos und die großen Häuser. So schlecht kann es euch doch gar nicht gehen, wundert er sich.

Stimmt. Uns geht es gut. Und trotzdem haben viele Rechts gewählt. Weil sie rechts sind, und zwar unabhängig von ihrer finanziellen Situation.

Rechts zu sein, ist hier kein Tabu.

Ich erinnere mich an ein Dorffest, wo ein Meer von Glatzen zu Schlagermusik schunkelte. Diese Leute würden sich selbst wahrscheinlich nicht mal als Nazis bezeichnen, so normal finden sie es, rechts zu sein. Dabei sind sie nur gegen Ausländer, schließlich gibt es hier kaum welche. Hartz-IV-Bashing steht ganz oben auf ihrer Konversationsliste, wenn man mal zu Small-Talk angehalten ist. Sei es auf dem Abschlussfest der Grundschüler oder beim Punktspiel der Nachwuchsfußballer.

Im Gespräch wird schnell klar, nichts ist ihnen mehr verhasst als vermeintliche Sozialschmarotzer und linke Bazillen. Da spielt die Hautfarbe eine eher untergeordnete Rolle. Der Gesprächspartner nickt schweigend und versucht, das Thema zu wechseln. Auch wenn man nicht rechts ist, lässt man die Rechten reden. Sonst hat man sie womöglich selbst an der Backe. Also bloß nicht den Intellektuellen raushängen lassen!

Egal ob in Brandenburg, Sachsen-Anhalt oder in Berlin, leider leben hier einfach zu viele Rechte. Dass die nicht SPD wählen, liegt in der Natur der Sache. Die AfD hat den Rechten eine Stimme gegeben.

Aber die große Mehrzahl meiner Mitmenschen hat eben nicht rechts gewählt. Und das spiegelt auch meine Erfahrung mit den Leuten hier wider: Die weltoffenen, klugen und verantwortungsvollen überwiegen. Puh.

LG eure
MISS MINZE

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