Ich habe die Menschen um mich herum noch nie ein Buch in die Hand nehmen und darin lesen sehen. Nie. Wirklich nicht.

Sie tun Vieles im Garten: Rauchen, Essen, Gärtnern, im Pool planschen, Grillen, mit ihren Kindern spielen. Aber lesen? -Nein.

Ich frage mich manchmal, ob sie jemals nachdenken. Und zwar nicht darüber, ob der Rasen gedüngt werden müsste, sondern über, tja, Existentielles eben. Dass das Gärtnern ein Kampf gegen Windmühlen ist, weil sich die Natur ohnehin zurückerobert, was du gerade erst samt Wurzel herausgerissen hast.

Ihre Betriebsamkeit verrät, dass sie wohl ebenso wenig denken wie sie Bücher lesen. Stattdessen werfen sie lieber jeden zweiten Tag den Rasenmäher an, um stoisch jeden einzelnen widerspenstigen Halm zu kürzen. Wieder und wieder und wieder. Bis sie eines Tages nicht mehr sind, während das Gras wächst und das Unkraut wuchert.

Ich vermutete zunächst, dass ihr notorischer Aktivismus etwas damit zu tun hätte, dass sie nach außen zeigen wollen, welch ordentliche Leute sie doch sind. Nun aber habe ich das Gefühl, sie mähen und sprengen, zupfen und düngen, weil der Tag ihnen sonst nichts zu bieten hat.

Das Surren der Rasenmäher, es liegt mir ständig in den Ohren.

Es grüßt euch
eure Miss Minze


P.S.: Nach längerer Pause lese ich gerade „Die Kunst der Verführung – Psychologie der Manipulation“ von Robert Levine. Der Inhalt ist mir nicht neu, aber das Buch ist spannend zu lesen – und hält selbst für Klugscheißer wie mich noch die ein oder andere Erkenntnis bereit. 😉

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